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    Nachtzug ins Grauen

    Nachtzug ins Grauen


    Land/Jahr:
    GB 1983
    Genre:
    Komödie
    Regie:
    Joe McGrath
    Darsteller:
    Eric Morecambe
    Ernie Wise
    Margaret Courtenay
    Kenneth Haigh
    Fulton Mackay
    Pamela Salem
    Lysette Anthony
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Dauer:
    71 Minuten
    Kaufstart:
    9. März 2018
    Label:
    Pidax Film

    Auf der Schallplatte, die der Rechtsanwalt Mackay der jungen Kathy vorspielt, ist die Stimme ihres verstorbenen Onkels Robert Austin zu hören, der aus dem Grab mit ihr spricht. Um an das Erbe zu gelangen, ist es sein letzter Wunsch, die gesamte Familie noch einmal in seinem schottischen Schloss zu versammeln, in dem er einst gelebt hat. Gemeinsam mit einigen Verwandten reist sie deshalb mit dem Nachtzug auf direkten Weg nach Schottland, muss aber bereits unterwegs die Erfahrung einiger schrecklicher Ereignisse machen: Sir Felix, einer ihrer ebenfalls erbberechtigten Verwandten, wurde im Gepäckwagen ermordet. Dumm nur, dass das erst der Beginn einer langen Mordserie ist, die auch im Schloss noch nicht zu Ende sein soll.

    Kritik:
    Die spannenden Krimis von Agatha Christie und Edgar Wallace wurden seit ihrer Veröffentlichung mehr als einmal verfilmt. Vor kurzem ist längst das neueste Remake von „Mord im Orient-Express“ mit Johnny Depp für das Heimkino erschienen und da lohnt sich manchmal doch ein Blick auf einen britischen Filmklassiker, der schon damals die eher einfachen Krimigeschichten parodierte.

    Very british Trash
    Die Persiflage mit dem alten britischen Comedy-Duo Morecambe und Wise möchte hier allerdings ein bisschen weiter gehen, als nur – wie der Titel vermuten lässt – den Klassiker „Mord im Orient-Express“ zu parodieren. Stattdessen soll „Nachtzug ins Grauen“ eher einen Mix aus vielen verschiedenen Agathe Christie, Edgar Wallace und sogar Raymond Chandler-Verfilmungen sein, um die Parallelen dieser manchmal viel zu einfach gestrickten Handlungen zu verdeutlichen. Ein paar Vorkenntnisse von den Vorlagen sind also in jedem Fall vorteilhaft, wenngleich jüngere Zuschauer vermutlich eher Parallelen zur Komödie „Der Wixxer“ mit Oliver Kalkofe erkennen werden, der ebenfalls seinerzeit bereits Edgar Wallace parodierte. Über eine Sache muss man sich bei „Nachtzug ins Grauen“ allerdings klar sein: Auf den temporeichen Slapstick der heutigen Parodien verzichtet der Streifen aus den 80igern noch gänzlich. Stattdessen gibt es eher trashig anmutenden und manchmal aufgesetzten britischen Humor, wie ihn der ein oder andere vielleicht aus den Classic-Episoden von „Doctor Who“ kennt – schlechte Bildqualität auf Niveau einer alten VHS-Kassette natürlich inklusive.

    Mörder im Schloss
    Zudem könnte man den Titel des Films womöglich als etwas irreführend auffassen, erwartet man hier wahrscheinlich eine reine Parodie auf Agatha Christies „Mord im Orient-Express“. Einen Zug bekommt man nämlich nicht allzu lange zu sehen. Die tatsächlich beinhaltete Anspielung auf den Poirot-Klassiker beschränkt sich derweil doch eher auf zehn Minuten, denn lediglich in dieser Zeit spielt „Nachtzug ins Grauen“ tatsächlich in einem Zug. Einen Großteil des Streifens macht hingegen die anschließende Parodie auf Edgar Wallace’ „Der Hexer“ aus, bei dem ein maskierter Mann aus den Gemälden klettert und mit Morden sein Unwesen in dem Schloss treibt. Und da braucht man bei einer britischen Low Budget-Produktion aus den 80iger Jahren sicherlich auch keine allzu blutigen Szenen erwarten: Im typisch britischen Stil sieht man doch deutlich, dass die dargestellte Gewalt lediglich angedeutet und so mancher Gag doch offensichtlich nur gespielt ist. Das allerdings macht überhaupt nichts.

    Lachen statt miträtseln
    Eines hat „Nachtzug ins Grauen“ nämlich mit dem Remake von „Mord im Orient-Express“ gemeinsam: Ein spannender Krimi zum Miträtseln darüber, wer wohl der Mörder ist, möchte diese Persiflage keineswegs sein. Das muss sie aber auch nicht, denn während dem Remake mit Johnny Depp größtenteils der Humor abhanden gekommen ist, hat diese Parodie hingegen mehr als genug davon zu bieten. Dazu zählt nicht nur ein Galgenhumor, bei dem sich Morecambe & Wise gerne etwas pietätlos über die Todesfälle lustig machen, sondern auch Running Gags über den gesundheitlichen Zustand der beiden Hauptfiguren. Etwas zurückhaltend bedient sich der Streifen dabei an intelligenter Situationskomik, wie ihn die Briten schon mit Charlie Chaplin beherrschten. Zugegeben: Manchmal auch ein wenig zu zurückhaltend, denn am heutigen Standard gemessen, wirkt „Nachtzug ins Grauen“ oftmals etwas zu langsam, um nicht gar langweilig zu sagen. Aber man muss sich natürlich im Klaren darüber sein, dass ein solcher Film grundlegend von den heutigen Sehgewohnheiten abweicht.

    Fazit:
    Mit einem etwas irreführenden Titel entpuppt sich „Nachtzug ins Grauen“ als parodistischer Mix aus Agatha Christie, Edgar Wallace und Raymond Chandler, bei dem es sicherlich nicht schaden kann, die jeweiligen Vorlagen gesehen zu haben. Trotz der für heutige Verhältnisse langsamen und „trashig“ wirkenden Inszenierung punktet die Persiflage dabei aber mit klassisch britischem Humor, mit dem sie allerdings gelegentlich etwas zu zurückhaltend umgeht.

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