Molly’s Game - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Molly’s Game

    Molly’s Game


    Land/Jahr:
    USA 2017
    Genre:
    Drama
    Regie:
    Aaron Sorkin
    Darsteller:
    Jessica Chastain
    Idris Elba
    Kevin Costner
    Michael Cera
    Jeremy Strong
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Dauer:
    141 Minuten
    Kaufstart:
    27. Juli 2018
    Label:
    Universum Film

    In ihrem bisherigen Leben hat Molly Bloom schon immer alles auf eine Karte gesetzt. Entgegen der ausdrücklichen Empfehlung ihres Arztes hätte sie sogar beinahe an den olympischen Winterspielen teilnehmen können, wollte sie den Profisport als Skiläuferin schließlich einfach nicht aufgeben. Körperlich allerdings wurde sie zu einer Beendigung ihrer Karriere schon bald gezwungen und Molly brauchte neue Möglichkeiten, das notwendige Einkommen heranzuschaffen. Und da führt der Weg direkt in das illegale Glücksspiel, als sie für reiche Geschäftsleute, Hollywoodstars und selbst die russische Mafia, spannende geheime Pokerspiele mit äußerst hohen Einsätzen organisiert. Dumm nur, dass dieses äußerst lukrative Geschäft nicht dauerhaft so geheim bleiben soll und Molly schon bald im Mittelpunkt einer Mafiaermittlung steht…

    Kritik:
    Taktik, Bluffs und hohe Einsätze: Die geheimen Pokerrunden der Superreichen waren schon immer ein beliebtes Thema, um aufregende Filme zu drehen, die angefangen beim vielen Geld, bis hin zu einer spannenden Inszenierung so ziemlich alles hatten. Erstaunlicherweise allerdings interessiert sich „Molly’s Game“, obwohl es sich um einen Pokerfilm handelt, ziemlich wenig für das Pokerspiel. Dieser Film möchte nämlich einen anderen, persönlicheren Weg einschlagen.

    Poker des Lebens
    Das fängt schon damit an, dass der Streifen selbst erzählerisch gänzlich neue Wege geht. Bereits in den ersten Minuten bekommen wir einen überraschend tiefen Einblick in die Gedankenwelt der Hauptdarstellerin. Aus dem Off erzählt sie uns die Highlights ihres bisherigen Lebens, ihre Leidenschaften und zugleich auch ihren Leidensweg. Ein bisschen zu distanziert, denn Jessica Chastain ermöglicht ihrer Figur Molly durch die Erzählung aus dem Off etwas zu wenige emotionale Bindungen zum Zuschauer. Doch zugleich ausreichend fesselnd, um das Interesse des Zuschauers für die weitere Geschichte der Hauptfigur zu wecken. Denn obwohl „Molly’s Game“ durch diese Erzählweise vor allem zu Beginn etwas zäh erscheint, möchte das Publikum hier über die gesamte Laufzeit am Ball bleiben.

    Handlung wie ein Puzzle
    Das gelingt vor allem durch den strukturellen Aufbau der Story, die statt auf Action zu setzen, eher dialoglastig daher kommt. Immer wieder wechselt die Handlung zwischen zwei Zeiträumen hin und her: Einerseits die Story der Gegenwart, in der das FBI an die Wohnungstür von Molly klopft und eine spannende juristische Handlung rund um die Grenzen der Legalität folgt. Andererseits aber auch der Rückblick in das Leben als Pokerorganisatorin, bei dem die Superreichen wöchentlich in ihren Räumlichkeiten ein und ausgehen und das Spiel aus Glück und Bluffs einen ganz speziellen Reiz zu haben scheint. Geschickt und mit dem exakt richtigen Tempo deckt „Molly’s Game“ dann allmählich das Puzzle seiner Story auf, bei dem wir erst langsam die tatsächlichen Hintergründe zu ihren Machenschaften erfahren und der Ausgang somit stets unvorhersehbar erscheint.

    Paragraphen statt Pokeraction
    Ungewöhnlich ist zugleich allerdings auch, dass „Molly’s Game“ keiner dieser typischen Poker-Actionfilme sein möchte, bei denen Taktik und Rechnen im Vordergrund steht und der Spannungsaufbau durch die Pokeraction stattfindet. Stattdessen scheint der Streifen die eigentlichen Pokerspiele eher zum Nebenschauplatz zu machen, während Dialoge mit ihrem Anwalt und das Drama des Lebens im Mittelpunkt stehen. Das ist einerseits erfrischend anders, aber zugleich auch das Hauptproblem des Films: Sitzen die Spieler nämlich erst einmal gemeinsam am Tisch, kann Regisseur Aaron Sorkin einfach nichts aus dieser Konstellation machen. Die Inszenierung des Spiels wirkt komplett belanglos und völlig unspektakulär. Dabei wissen wir eigentlich, wie aufregend man doch dieses Spiel inszenieren könnte, wenn man denn möchte.

    Zwei überzeugende Streithähne
    Insgesamt wird „Molly’s Game“ damit durchaus auch zu einem trockenen Film, der sich vor allem an jene Zuschauer richtet, die sich für die juristische Story begeistern können. Hier nämlich punktet der Streifen mit einer starken Geschichte und ausgesprochen viel Tiefgang, zumal Jessica Chastain und Idris Elba in ihren Streitgesprächen zwischen Anwalt und Mandantin voll und ganz überzeugen können. Darauf allerdings muss sich das Publikum erst einmal einlassen können und auch wollen. Das Risiko für falsche Erwartungen dürfte schließlich recht hoch sein. Ganz besonders auch, da die Lebenskrise von Molly abseits der Dialoge mit ihrem Anwalt deutlich zu oberflächlich bleibt und Chastain trotz ihrer Stärken einerseits, andererseits kaum eine Identifikationsfigur anzubieten hat.

    Fazit:
    „Molly’s Game“ weicht deutlich von den üblichen Mustern der Pokerfilme ab und inszeniert eher eine dialoglastige Anwaltsstory, die ohne große Action auskommt. Das hat zugleich allerdings auch Schwächen im Spannungsbogen und wirkt zeitweilig etwas zu trocken.

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