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Mit dem Herz durch die Wand


Mit dem Herz durch die Wand

Land/Jahr:
F 2015
Genre:
Komödie
Regie:
Clovis Cornillac
Darsteller:
Clovis Cornillac
Mélanie Bernier
Lilou Fogli
Philippe Duquesne
FSK:
ab 6 Jahren
Dauer:
91 Minuten
Kaufstart:
10. Februar 2017
Label:
Pandastorm



Endlich auf eigenen Beinen stehen und aus dem Hause ihres Musikprofessors ausziehen: Das war der große Plan, den die junge Pianistin hatte, als sie in ihre neue Wohnung zog. Zu diesem Zeitpunkt hätte sie allerdings kaum damit gerechnet, dass in ihrem neuen Zuhause alles ein wenig anders sein wird, als sie es bisher gewohnt war. Die Wände sind nämlich derartig dünn, dass jeder Bewohner die Geräusche der Nachbarn genauestens mitbekommen kann. Eigentlich könnten sich diese sogar durch die Wand unterhalten, doch ihr neuer Nachbar hat bisher noch anderes im Sinn. Er möchte nämlich einfach nur seine Ruhe – und ist gar nicht darüber erfreut, dass das hübsche Mädchen von Nebenan dummerweise auch noch Pianistin ist und unbedingt in der eigenen Wohnung proben möchte. Nachdem die ersten Versuche, seine neue Nachbarin zu vergraulen, allerdings kläglich scheiterten, versuchen die beiden sich auf mitunter absurde Weise miteinander zu arrangieren – und finden schon bald Gefallen an der Stimme des Anderen…

Kritik:
Menschen mit psychischen Krankheiten sind doch meistens auf ihre ganz eigene Art irgendwie liebenswert, obwohl sie nach außen hin selten diesen Eindruck hinterlassen. In „Mit dem Herz durch die Wand“ nimmt man den Titel derweil wörtlich und präsentiert uns eine Figur, die die eigenen vier Wände nie wieder verlassen möchte und seine Mitmenschen sowieso grundsätzlich hasst – aber im Kern vielleicht doch ein herzensguter Mensch ist.

Hassliebe zwischen Nachbarn
Und wer kennt das nicht: Man möchte sich doch manchmal am liebsten zuhause verkriechen und auf keinen Fall vor die Türe gehen, wenn man an die vielen Menschen denkt, die sich oftmals doch gar nicht benehmen können. Und die Nachbarn sind sowieso meistens die Schlimmsten, machen sie doch ständig Lärm und stören die eigene Ruhe, wann immer sie können. Dass Melanie Bernier und Clovis Cornillac es sich nun allerdings zur Aufgabe gemacht haben, sich gegenseitig gehörig auf den Wecker zu fallen und keine Möglichkeit unversucht lassen, die Ruhe des Nachbarn zu stören, ist für den Zuschauer aber schnell amüsanter, als es für die Betroffenen zu sein scheint. Ob Poltern mit dem Staubsauger, Dauergeklimper auf dem Piano oder künstlich produzierter Lärm mit einem Mixer – hier entsteht prompt eine herzerwärmende Hassliebe, bei der die Protagonisten schnell Sympathiepunkte sammeln können, so sonderbar sie für das Publikum auch erscheinen mögen. Geht es dabei um gekonnte Lacher, hat „Mit dem Herz durch die Wand“ davon mehr als genügend zu bieten und besteht dabei auf ein hohes Niveau. Gags unterhalb der Gürtellinie suchen wir hier nämlich vergebens, stattdessen wartet intelligenter Humor auf uns.

Der Psycho von Nebenan
Tatsächlich haben die Figuren nämlich nicht nur Gags zu bieten, sondern auch noch einen unerwartet hohen psychologischen Tiefgang. Immerhin hat das Verhalten des männlichen Nachbarn auch seine Gründe und selbst die eigentliche weibliche Hauptfigur ist charakterlich keine uninteressante Person. Als eher schüchternes Mauerblümchen und von ihrem bisherigen Mentor unterdrückt, statt tatsächlich gefördert worden, hat sie schließlich nicht mit weniger Problemen zu kämpfen. „Mit dem Herz durch die Wand“ entpuppt sich dabei als herzerwärmende Geschichte über zwei Menschen mit ganz eigenen psychologischen Befunden, die sich auf sonderbare Weise gegenseitig zu helfen vermögen. Man könnte sagen: Dieser Streifen ist zugleich auch Liebesdrama und Tragikomödie in einem. Auf Kitsch allerdings verzichtet man dann doch, denn um einen klassischen „Mädchenfilm“ handelt es sich hier definitiv nicht. Immerhin übertrifft die Komödie nämlich jegliche Erwartungen, die angesichts des eher unspektakulär klingenden Titels aufkommen. Insofern: „Mit dem Herz durch die Wand“ ist in jedem Fall ein Blick wert.

Fazit:
Die Liebeskomödie mit dem eher unscheinbaren Titel entpuppt sich schnell als kleiner Geheimtipp im Komödiengenre, der nicht nur richtig gute Gags zu bieten hat, sondern noch dazu mit psychologischem Tiefgang und tollen Charakterzeichnungen punktet.

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