Marco W. - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Marco W.

    Marco W.


    Land/Jahr:
    D 2011
    Genre:
    Drama
    Regie:
    Oliver Dommenget
    Darsteller:
    Vladimir Burlakov
    Veronica Ferres
    Herbert Knaup
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Dauer:
    120 Minuten
    Kaufstart:
    23. März 2011
    Label:
    Lighthouse


    Eigentlich wollte der 17-jährige Marco Weiss nur einen schönen Urlaub mit seiner Familie in der Türkei verbringen, wie er dies bereits seit Jahren immer wieder tat. Doch dieses Mal soll alles anders kommen, als er plötzlich ein junges Mädchen aus England kennenlernt. Nachdem es zwischen den beiden nämlich zunächst funkt und er ihr Alter um einige Jahre höher einschätzt, wird er kurz darauf urplötzlich verhaftet und in Untersuchungshaft gesteckt. Der Vorwurf: Sexueller Missbrauch an einem Kind, das in Wirklichkeit erst dreizehn Jahre alt ist. Die Tatsachen, dass jegliche Handlungen in Einverständnis des Mädchens abgelaufen sind und, dass im türkischen Gefängnis von Antalya katastrophale Zustände herrschen, wird von den Richtern ignoriert. Damit steht dem jungen Deutschen qualvolle acht Monate im Gefängnis bevor…

    Kritik:
    Etwa vier Jahre ist es nun her, dass der Fall „Marco W.“ in den deutschen Medien bekannt wurde. Damals hieß es, er habe in der Türkei ein 13-jähriges englisches Mädchen sexuell missbraucht und sei anschließend in Untersuchungshaft gesteckt worden. Nun, einige Jahre nach seiner Entlassung, ist nicht nur längst bekannt, dass Marco eigentlich unschuldig war, sondern er hat seine Erlebnisse sogar in seinem Buch „Meine 247 Tage im türkischen Knast“ beschrieben. Da hat Sat1 natürlich nicht lange gezögert und die packenden Geschehnisse in einer TV-Produktion verfilmt. Doch kann der Film mehr Qualität bieten, als ein gewöhnlicher Low-Budget-Streifen des Privatfernsehens?

    Marco Weiss – Ein Russe?
    Bei der Verfilmung hält sich Sat.1 erwartungsgemäß natürlich sehr an die bekannten Tatsachen und Erlebnisse und baut diese durchaus geschickt ein. Dabei schildert der Film zunächst den gemeinsamen Familienurlaub und auch die Situation für die Angehörigen, während Marco im Gefängnis untergebracht wird. Auffallen ist dabei zunächst die etwas ungeschickte Wahl der Darsteller, denn bereits Vladimir Burlakov als Marco könnte zunächst als Russe eine recht unpassende Rolle erhalten haben. Dennoch: Burlakov meistert seine Rolle recht gut und zeigt uns einen durchaus authentischen und glaubwürdigen Marco, dem man seine russische Herkunft kaum anmerkt und seine Hilflosigkeit hervorragend zur Geltung bringt. Anders allerdings im Falle der beiden Eltern und des 13-jährigen Mädchens. So muss man doch betonen, dass Veronica Ferres und Herbert Knaup ihrer Rolle so gar nicht gerecht werden. Einerseits haben sie keinerlei Ähnlichkeit zu dem Hauptdarsteller, andererseits kommt die Dramatik, samt der Emotionen zu unglaubwürdig rüber. Man mag ihnen die Rolle als perfekte Eltern einfach nicht abkaufen. Ähnliches bei dem vermeintlichen Opfer aus England, das eine 13-jährige spielen soll, die sich als 15-jährige aussieht. Leider sieht die wohl auf den ersten Blick eher, wie ein Mädchen zwischen 17 und 20 Jahren aus und spielt ihre Rolle gar nicht so unschuldig, wie sie es doch eigentlich sein sollte. Einerseits mag dies sicherlich so gewollt sein, um zu verdeutlichen, dass Marco ihr Alter tatsächlich kaum einschätzen konnte, andererseits wirkt auch sie einfach zu unauthentisch.

    Der türkische Knast – Willkommen im Dreck
    Bei all der Kritik gibt es allerdings durchaus einige positive Kriterien, die diesen Film durchaus auszeichnen. So kann sich das Gefängnisszenario nämlich durchaus sehen lassen und präsentiert uns eine realistische Situation, die vor allem auch mit den Nebendarstellern sehr punkten kann. Denn während die dreckige Situation unter schrecklichen Verhältnissen bestens geschildert wurde, erscheinen die Nebendarsteller mit ihrer vollen Härte stets glaubwürdig und auch nachvollziehbar. Da kann man dann froh sein, dass der Gefängnisaufenthalt letztendlich auch den größten Teil des Filmes ausmacht. Dieser Teil ist also durchaus empfehlenswert, anders dagegen der Beginn des Films. So merkt man „Marco W.“ durchaus an, dass der Film keinerlei Mut aufweist und sich möglichst korrekt an die vom echten Marco geschilderten Erlebnisse halten will. Kontroverse Szenen kommen so kaum auf und die angeblichen sexuellen Handlungen, die ihm vorgeworfen wurden, werden erst gar nicht gezeigt. So hat man letztendlich den Eindruck, dem Film fehle zu Beginn ein gutes Stück und auch die Intensität könne nicht so ganz überspringen. Da hätte man durchaus mehr erwartet, um Marcos Situation umso intensiver und nachempfindbarer zu machen. Dennoch: Für eine TV-Produktion kann sich „Marco W.“ durchaus sehen lassen.

    Fazit:
    Spannende TV-Produktion mit etwas schlecht gelungener Darstellerwahl und wenig Mut, aber einem packenden Gefängnisszenario und einer erstklassigen Präsentation der türkischen Justiz.