Madame - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Madame

    Madame


    Land/Jahr:
    F 2017
    Genre:
    Komödie
    Regie:
    Amanda Sthers
    Darsteller:
    Toni Collette
    Harvey Keitel
    Rossy de Palma
    Tom Hughes
    FSK:
    ab 0 Jahren
    Dauer:
    91 Minuten
    Kaufstart:
    19. April 2018
    Label:
    Studiocanal

    Das reiche amerikanische Paar Anne und Bob ist erst vor kurzem nach Paris gezogen und gibt sich für gewöhnlich nur mit besonders angesehenen und wohlhabenden Menschen ab. Vor allem ihre Dienstmädchen bekommen dies regelmäßig zu spüren, werden sie schließlich nicht als gleichwertig behandelt. Als das Paar allerdings ein großes Dinner veranstalten möchte, bei dem nur zwölf ausgewählte reiche Gäste erscheinen sollen, stehen sie plötzlich vor einem Problem: Auch Bobs Sohn Steven taucht plötzlich auf und stellt somit die dreizehnte Person auf dem Dinner. Dumm nur, dass Anne ziemlich abergläubisch ist und eine solche Zahl keinesfalls akzeptieren kann. Und genau da kommt das Hausmädchen Maria ins Spiel, die sich kurzerhand als reiche Freundin ausgeben und einspringen soll. Dass das allerdings nur schief gehen kann, als sich einer der Gäste auch noch in sie verliebt, war vorherzusehen…

    Kritik:
    Ein reiches Paar, ein Dinner und darauf aufbauend ein gesamter Spielfilm – das klingt erst auf den zweiten Blick interessant, wenn wir mit Toni Collette und Harvey Keitel die Besetzungsliste lesen. Doch kann die Tragikomödie trotzdem begeistern?

    Komödiantisches Theaterstück
    Man muss schon zugeben: Die Story dieses Films klingt tatsächlich eher banal und voller Klischees. Und eigentlich hat sie genau solche Klischees auch zu bieten: Von der Liebesgeschichte eines hässlichen Dienstmädchens, über die Frustration einer reichen Ehefrau, bis hin zum reichen alten Mann mit seiner jüngeren Affäre. Mehr Klischees kann man in einen einzigen Film kaum einbauen. Aber trotzdem schafft es „Madame“ irgendwie zu funktionieren. Nämlich deshalb, weil das zwischenmenschliche Zusammenspiel so hervorragend funktioniert, als hätte Woody Allen persönlich diesen Film gedreht. Selbst wenn im ersten Drittel des Films alle Protagonisten lediglich gemeinsam an einem Tisch sitzen, entwickelt sich „Madame“ zu einer Art komödiantischem Theaterstück, das mit gewitzten Dialogen und starken Charakteren punktet, die sich gegenseitig die Bälle zu spielen.

    Parodie auf den Klassenkampf
    Die Figuren sind dabei charakterlich teilweise derartig ausgefallen und einzigartig, dass sie schon von Natur aus einen irgendwie amüsanten Eindruck hinterlassen. Vor allem Toni Collette als pedantische abergläubische Reiche und Harvey Keitel mit seinen bissigen und lockeren Kommentaren stechen in den Hauptrollen schnell hervor. In der Rolle des amerikanischen Paars können sie die französischen Klischees und Gewohnheiten mitsamt des Dialektes gekonnt auf die Schippe nehmen. Was auch deshalb gut funktioniert, weil der Film selbst aus Frankreich stammt und die Franzosen damit beweisen, dass sie ziemlich gut über sich selbst lachen können. Mit solchen Feinheiten braucht es nicht einmal mehr eine tiefgründige Story, um beim Publikum punkten zu können – auch wenn man oberflächlich zumindest den Klassenkampf zwischen arm und reich durchaus thematisiert. Da allerdings schlägt der Streifen eine andere, noch klischeehaftere Richtung ein.

    Modernes Aschenputtel
    Im Mittelpunkt der Handlung steht nämlich spätestens im zweiten Drittel dann auch das Hausmädchen Maria, gespielt von Rossy de Palma. Hier verliert sich „Madame“ auch kurzerhand in einem modernen Aschenputtel-Märchen, bei dem ein (schon fast übertrieben hässliches) Hausmädchen eine Beziehung mit einem reichen Mann beginnt, der eigentlich gar nicht ihrer Liga entspricht. Und obwohl Rossy de Palma ihre Rolle hervorragend spielt, hat die Tragikomödie an mancher Stelle vielleicht sogar ein paar aufgesetzte Klischees zu viel zu bieten. Immerhin mag diese Handlung aber trotzdem noch unterhaltsam sein, weil Amanda Sthers sie gänzlich neu interpretiert und in ein unterhaltsam theatralisches Gewand packt – wodurch sich selbst dieser Teil als überraschend qualitativ entpuppt. Da kann man dann auch schnell darüber hinweg sehen, dass das Ende des Films dermaßen vorhersehbar ist, dass Rossy de Palma es in einem Dialog gar praktisch vorhersieht. Bei „Madame“ ist doch eher der Weg das Ziel. Durchaus erfrischend.

    Fazit:
    Amanda Sthers inszeniert eine Tragikomödie, die statt eine tiefgründige Handlung zu bieten, durchaus mit einer eher banalen Geschichte auskommt. Bei ihr ist nämlich eher der Weg das Ziel, wodurch „Madame“ zeitweise zu einem komödiantischem Theaterstück wird, das vor allem vom Zusammenspiel seiner Darsteller lebt. Damit kann sich „Madame“ – auch dank herausragender Darsteller – gut vom Mainstream abgrenzen und eine überraschend gut funktionierende Komödie abliefern, die sogar Klischees unterhaltsam aufbereitet.

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