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Into the forest


Into the forest

Land/Jahr:
CDN 2016
Genre:
Drama
Regie:
Patricia Rozema
Darsteller:
Ellen Page
Evan Rachel Wood
Max Minghella
FSK:
ab 12 Jahren
Dauer:
101 Minuten
Kaufstart:
17. Februar 2017
Label:
Capelight



Die beiden Schwestern Nell und Eva führen eigentlich ein unbeschwertes Leben in einem modernen Haus mitten im Wald. Rund um sie herum werden sie von keinerlei Nachbarn gestört und können praktisch tun, was sie wollen. Noch dazu sorgt modernste, futuristische Technik im Haus dafür, dass es ihnen an wirklich nichts mangelt. Das allerdings soll sich schon bald ändern, als plötzlich ein flächendeckender Stromausfall eintritt. Der nämlich soll auch nach Monaten noch nicht vorbei sein, sodass die jungen Schwestern plötzlich lernen müssen, ohne heutige Technologien aufzuwachsen. Dumm nur, dass bei einem Unfall bald auch noch ihr Vater ums Leben kommt und das Leben ohne Strom fernab der Zivilisation schon bald zu einem Problem wird…

Kritik:
Das Leben in einem Wald muss für viele ein Traum sein: Keine nervigen Nachbarn, keine Beschwerden bei zu lauter Musik und auch sonst absolut niemanden, der den Alltag stört. Doch fällt einmal die Infrastruktur aus, wird das Leben dort zu einer ernsten Herausforderung…

Erwachen in der neuen Welt
Entgegen den Erwartungen bekommen wir hier allerdings keinen knallharten Thriller in einem düsteren Wald geboten, in dem jedes Zusammentreffen mit anderen Menschen zur Auseinandersetzung führt. Es geht hier nicht um Verbrecher und Bedrohungen, die die einsame Familie bedrohen und in das eigene Haus eindringen wollen. Stattdessen ist „Into the forest“ mit der süßen Ellen Page eher eine Art Coming-of-Age-Drama. Im Mittelpunkt der Geschichte steht das Aufwachsen ohne moderne Infrastruktur und Technologie und der Umgang junger Mädchen mit einer Situation, die ihren Gewohnheiten gänzlich widerspricht. Damit grenzt sich der Streifen positiv und interessant von anderen Genrefilmen ab, sodass man dramaturgisch in eine unerwartete Richtung geht. Und wie wir bereits aus „Juno“ wissen: Coming of Age-Geschichten kann Ellen Page hervorragend.

Abhängigkeit von Technologie
Auf den ersten Blick setzt „Into the Forest“ dabei auf Stilmittel, die wir in einem Endzeitszenario nicht unbedingt erwarten würden. Der eigentlich einfach gestaltete Streifen inmitten der Natur setzt nämlich vor allem zu Beginn auf einige Science-Fiction-Elemente und verpasst den Kulissen mitsamt der neuartigen „Smart Home“-Technologie einen futuristischen Touch. Das verstärkt allerdings zunehmend den Kontrast zwischen dem hochmodernen Zeitalter und der darauf folgenden Steinzeit ohne jegliche Infrastruktur. Es verdeutlicht umso eindringlicher, wie abhängig wir Menschen von modernen Technologien sind und wie stark die Überlebensfähigkeit prompt sinkt, wenn plötzlich mangels Strom keinerlei Infrastruktur mehr funktioniert. Man könnte „Into the Forest“ somit auch als eine interessante Sozialstudie betrachten, die sich voll und ganz dem Verhalten von Menschen in Ausnahmesituationen widmet.

Fehlende Bedrohungen
Einen Nachteil hat diese Inszenierung dann aber dennoch: Durch die volle Konzentration auf die Coming of Age-Story bleibt „Into the Forest“ leider insgesamt zäh und doch recht langatmig. Denn Action ist hier leider nicht zu erwarten. Dramaturgisch reicht es dann einfach nicht aus, dass zwei Mädchen in einem einsamen Haus alleine zurecht kommen müssen, ohne von Dritten tatsächlich bedroht zu werden. Die ständige Verfügbarkeit von Holz und essbaren Tieren verbessert diese Problematik nicht gerade und lässt den auf den ersten Blick so spannend erscheinenden Streifen schnell zu einem klassischen Geschwisterdrama verkommen, womit er reichlich Potential verspielt. Man sollte hier also wahrlich keinen Endzeitthriller erwarten und erst recht keinen moralischen Anspruch wie etwa in „The Walking Dead“. Einen Blick wert ist „Into the Forest“ aber sicherlich schon allein wegen den erwartungsgemäß authentischen Leistungen von Ellen Page.

Fazit:
In einem interessanten Endzeitszenario präsentiert uns Ellen Page ein ungewöhnliches Coming-of-Age-Drama über ein Leben ohne Strom. Dramaturgisch reicht das allein ohne physische Bedrohungen allerdings noch nicht, um dauerhaft zu fesseln.

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