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Imperium


Imperium

Land/Jahr:
USA 2016
Genre:
Thriller
Regie:
Daniel Ragussis
Darsteller:
Daniel Radcliffe
Toni Collette
Tracy Letts
Sam Trammel
FSK:
ab 16 Jahren
Dauer:
109 Minuten
Kaufstart:
9. Dezember 2016
Label:
Ascot Elite



Nate Foster gehört beim FBI zu den wohl noch jüngsten Agenten. Und dennoch gilt er bereits jetzt als einer der besten und vielleicht vielversprechendsten Mitarbeiter. Das findet schließlich auch seine Chefin Angela, die ihn genau aus diesem Grund auf einen ganz besonderen Fall ansetzen will. Denn nachdem radioaktives Material spurlos verschwunden ist und ein Großteil der Agenten natürlich islamistische Terroristen im Verdacht haben, ist Angela fest davon überzeugt, dass es sich um rechtsextremistische Gruppierungen handelt, die damit einen Anschlag planen. Nate soll demnach undercover in einer Neonazi-Organisation ermitteln und möglichst tief in das Netzwerk der arischen Allianz vordringen. Doch schon bald könnte er damit in einem immer tiefer werdenden Sumpf aus Gewalt und Verbrechen landen, den er nicht mehr so einfach mit seinem Gewissen vereinbaren kann…

Kritik:
Durch den Terroranschlag am 9. September 2001 fokussieren sich die amerikanischen Behörden zunehmend auf den islamistischen Terrorismus. Gerade in dem Land mit überraschend großen rechtsextremistischen Netzwerken kommt es dabei mitunter vor, dass die Ermittlungsbehörden ein wenig auf dem rechten Auge blind sein könnten. Daniel Radcliffe möchte das in „Imperium“ nun ändern.

Amerikanische Verhältnisse
Für den deutschen Zuschauer mögen die Bilder dabei allerdings zunächst etwas übertrieben und klischeehaft erscheinen. Die hier gezeigten Skinheads mit ihren tätowierten Hakenkreuzen und SS-Symbolen wirken verglichen mit den hiesigen Verhältnissen fast wie ein Vorurteil, das die amerikanische Bevölkerung womöglich von deutschen Nationalsozialisten hat. Doch in einem Land, in dem rechtsextremistische Symbole nicht verboten sind, ist derartiges mitnichten eine Seltenheit. Und „Imperium“ gelingt es sogar, dem Publikum ein wenig mehr dabei zu helfen, die amerikanischen Strukturen der rechten Bewegungen etwas mehr zu verstehen. Denn nicht nur die autonomen gewaltbereiten Skinhead-Gruppierungen werden durchleuchtet, sondern auch die weitaus gebildeteren und gefährlicheren Organisationen der Ayran Alliance und des Ku-Klux-Klans.

Extremist oder Aluhutträger
Und dabei schafft es der Thriller zugleich, von den üblichen Vorurteilen gänzlich abzuweichen und ein realistisches Bild amerikanischer rechtsextremer Netzwerke zu zeichnen. Denn die Unterschiede zwischen dem idiotischen Fußvolk auf den Demonstrationen und die deutlich gewählter agierenden Hintermänner der großen Organisationen, welche die Ideologie erst auf der Straße verbreiten, wird mehr als nur deutlich. Und selbst Verschwörungstheoretiker, die sich einen Spaß daraus machen, an der Leichtgläubigkeit und Idiotie von Neonazis möglichst viel Geld zu verdienen, werden in ein spannendes Licht gesetzt. Überraschend derweil allerdings die mehr als nur differenzierte Betrachtungsweise, wenn Nate Foster mit seinen Skinhead-Jungs auf ebenso extremistische linke Gegendemonstranten stößt, die keinen Deut weniger gewaltbereit sind und mit vergleichbaren Methoden auftreten. Damit bringt „Imperium“ den richtigen Storykniff ein, um sich absolut neutral und mittig im politischen Spektrum zu positionieren, statt sich – wie viele andere Filme – auf die linke Seite zu schlagen.

Die gespielte Selbstsicherheit
Mit dem roten Faden versorgt uns derweil der herausragende Daniel Radcliffe, den Fans wohl bestens aus den beliebten „Harry Potter“-Filmen kennen. Mit seinem kahl rasierten Kopf und seiner Bomberjacke bietet er uns herausragende schauspielerische Leistungen, mit denen er glatt in die Fußstapfen eines Elijah Wood treten könnte, der eine vergleichbare Rolle bereits in „Hooligans“ präsentierte. Die besondere schauspielerische Meisterleistung kommt aber dann zustande, wenn er erstmals auf die rechtsextreme Gruppierung trifft und einerseits gekonnt seine Unsicherheit als Undercover-Agent für den Zuschauer rüber bringen und andererseits selbstsicher genug auftreten muss, um für sein Gegenüber glaubwürdig zu erscheinen. Diese Kombination aus subtiler Unsicherheit und überzeugendem Auftreten, welche in der Mimik von Radcliffe zu jeder Zeit erkennbar ist, machen letztendlich den entscheidenden Unterschied zwischen einem erstklassigen Schauspieler und einem austauschbaren Statisten. Daniel Radcliffe beweist einmal mehr, dass er damit definitiv zur ersteren Sorte gehört.

Fazit:
Mit seiner glaubwürdigen Darstellung eines Undercover-Agenten in der Neonazi-Szene tritt Daniel Radcliffe in die Fußstapfen eines Elijah Wood und präsentiert uns eine überraschend differenzierte Story, die genaustens zwischen den einzelnen extremistischen Bewegungen unterscheidet, um so ein realistisches Bild des rechtsextremen Untergrunds abzuliefern.

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