Good Time - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Good Time

    Good Time


    Land/Jahr:
    USA 2017
    Genre:
    Thriller
    Regie:
    Benny Safdie
    Josh Safdie
    Darsteller:
    Robert Pattinson
    Benny Safdie
    Saida Mansoor
    Jennifer Jason Leigh
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Dauer:
    102 Minuten
    Kaufstart:
    9. März 2018
    Label:
    Ascot Elite

    Seinen geistig behinderten Bruder mit zu einem Bankraub zu nehmen, ist schon eine selten dämliche Idee. Das muss auch der junge Constantine feststellen, als sein Bruder auf der Flucht plötzlich in eine Glasscheibe rennt und kurz darauf von der Polizei festgenommen und eingesperrt wird. Statt sich allerdings selbst den Behörden zu stellen, setzt er fortan alles daran, ihn aus dem Gefängnis zu befreien – und das mit teils ziemlich waghalsigen Aktionen. Selbst vor der New Yorker Unterwelt schreckt er dabei nicht zurück und lässt sich dabei nur allzu gerne mit den zweifelhaftesten Verbrechern und Drogendealern ein. Bis Constantine auf einmal klar wird, dass für ihn längst ein Wettlauf gegen die Zeit begonnen hat, bei dem das Leben seines Bruder schon bald auf der Kippe stehen könnte…

    Kritik:
    Seine Rolle als Edward in den eher beim weiblichen Publikum beliebten „Twilight“-Filmen hat Robert Pattinson bereits einige Vorurteile eingebracht. Mittlerweile widmet er sich aber gänzlich anderen Rollen und möchte beweisen, dass er als fähiger Charakterdarsteller taugt, der auch speziellere und ernsthaftere Rollen beherrscht. „Good Time“ bietet die passende Gelegenheit dafür.

    Wenn Blicke töten könnten…
    Hat man dabei noch das Bild vom glitzernden Vampir und Schönling im Kopf, muss der ein oder andere vielleicht sogar zwei Mal hinschauen, um Robert Pattinson in seinem neuen Look zu erkennen. Mit Bart, getönten blonden Haaren und heruntergekommenen Kapuzenpulli ist sein Anblick schon wahrlich gewöhnungsbedürftig. Und doch zeigt er schnell, dass ihm die Rolle des authentischen Asozialen in „Good Time“ weit besser steht, als die alberne Teenie-Vampir-Rolle von damals. Pattinson steht die Rolle schließlich wie angegossen und könnte vermutlich genauso gut ein Krimineller von nebenan sein, wie man ihn in den sozialen Brennpunkten womöglich ebenso findet. Seine Mimik natürlich inklusive, denn mit seinem aggressiven und fast schon depressiven Blick würde Pattinson uns bei einer realen Begegnung vermutlich ganz schön in Unwohlsein versetzen. Vielleicht liefert er damit sogar seine bisher beste Rolle ab.

    Regisseure können auch schauspielern
    Ohne Benny Safdie, der zugleich einer von zwei Regisseuren ist, würde aber der Banküberfall zu Beginn des Films kaum annähernd so gut funktionieren. Und das ist angesichts seiner bisherigen Filmkarriere schon eine kleine Sensation: Bisher eher den Kurzfilmen und relativ unbekannten Projekten gewidmet, inszeniert er nicht nur einen durchgehend packenden Thriller, sondern spielt auch noch die Rolle des geistig behinderten Bruders Nick zu jedem Zeitpunkt authentisch selbst. Nicht viele wären wohl in der Lage gewesen, eine Sprachstörung und derartige mentale Verständnisprobleme so derartig glaubwürdig zu spielen. Sich selbst in dieser Rolle zu besetzen, kann man damit bedenkenlos als kleinen Geniestreich bezeichnen. Gleichzeitig bringt er aber auch die notwendige Sensibilität mit, um die hier dargestellte Behinderung nicht ins Lächerliche zu ziehen, sondern die Schuldfähigkeit des Betroffenen einfühlsam und korrekt in Frage zu stellen. Schwer dürfte es wohl manchen fallen, seine Figur von einem echten Behinderten aus einer Behindertenwerkstatt zu unterscheiden.

    Rasanter Trip in die Unterwelt
    Doch auch sonst machen die Safdie-Brüder bei „Good Time“ einiges richtig. Zu jeder Zeit gelingt es, mit einem hohen Tempo zu fesseln und dabei die Action nicht zum Mittel zum Zweck verkommen zu lassen, sondern sie ganz geschickt und recht abwechslungsreich einzusetzen. Letztendlich profitiert der Streifen nämlich davon, dass die Story bis zum Ende hin durchweg unvorhersehbar bleibt – nämlich unter anderem, weil sie auf völlig durchgeknallte und unberechenbare Figuren setzt. Denn es ist einerseits nicht nur völlig unabsehbar, was Drogenabhängige und vermutlich psychisch kranke Kriminelle als nächstes tun werden, „Good Time“ nutzt diese Tatsache auch noch geschickt aus, um nahezu im 15-Minuten-Takt mit überzeugenden Wendungen zu punkten. Man könnte beinahe meinen, die Safdie-Brüder hätten sich reale Kriminelle zum Vorbild genommen, um ihre Verhaltensweisen zu studieren und möglichst realistisch zu verfilmen. Schlussendlich gehört der Streifen damit eindeutig zu den absoluten Geheimtipps.

    Fazit:
    In einem jederzeit glaubwürdigen und unvorhersehbaren temporeichen Thriller verkörpert Robert Pattinson als asozialer Krimineller die vermutlich beste Rolle seiner Karriere. Durch einen Benny Safdie, der als Regisseur selbst in die Rolle seines Bruders schlüpft, wird er aber auch noch tatkräftig unterstützt. „Good Time“ entpuppt sich somit als wahrer Geniestreich, der inszenatorisch nahezu alles richtig macht.

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