Django Unchained - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Django Unchained

    Django Unchained


    Land/Jahr:
    USA 2012
    Genre:
    Western / Action
    Regie:
    Quentin Tarantino
    Darsteller:
    Jamie Foxx
    Christoph Waltz
    Leonardo DiCaprio
    Samuel L. Jackson
    Kerry Washington
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Dauer:
    159 Minuten
    Kaufstart:
    23. Mai 2013
    Label:
    Sony Pictures


    Dr. King Schultz ist ein ganz außergewöhnlicher Mensch, der mit seiner Kutsche, die alle Blicke auf sich zieht, durch die Städte des Wilden Westen reist. Als ehemaliger Zahnarzt geht er nun einem eher brutaleren Berufszweig nach: Er ist Kopfgeldjäger und arbeitet – mehr oder weniger – im Auftrag der Regierung. Anhand von Haftbefehlen in Form eines Steckbriefes macht er sich auf die Suche nach Verbrechern, tötet sie kurzerhand und schafft ihre Leichen zum nächstgelegenen Gesetzesvertreter, um das möglichst hohe Kopfgeld einzufordern. Dumm nur, dass er für seine aktuelle Mission die Hilfe des schwarzen Sklaven Django benötigt, den er gerade erst aus der Gefangenschaft befreit hat. Der soll ihm nicht etwa dienen, sondern wegen einer ganz persönlichen Rechnung mit ihm Seite an Seite kämpfen. Leider hat dieser Sklave aber längst ganz eigene Ziele…

    Kritik:
    Nachdem er vor einigen Jahren mit „Inglourious Basterds“ für Aufsehen sorgte, ist Quentin Tarantino aus der Filmwelt nicht mehr wegzudenken. Seither gilt er als einer der besten Regisseure unserer Zeit und begeistert mit seinen zynischen Dialogen, den tollen Charakteren und der künstlerischen Darstellung von Gewalt zahlreiche Fans. Ganz im Stil seines eher linksradikalen Anti-Nazi-Films aus dem Jahre 2009 soll allerdings auch seine Neuinterpretation des Italo-Westerns „Django“ ausfallen.

    Sklave auf Rachefeldzug
    Da dürften vor allem erwachsene Zuschauer, an die sich dieser Streifen gezielt richtet, nicht gerade überrascht sein, wenn Tarantino es mit der politischen Korrektheit nicht ganz so genau nimmt. Obwohl im Vergleich zu „Inglourious Basterds“ noch relativ harmlos und weichgespült, widmet sich auch „Django Unchained“ einem politisch-gesellschaftlichen Thema, das gerade mit seiner brutalen Ader nicht besonders leicht zu handhaben ist. Dieses Mal widmet er sich dabei der amerikanischen Sklaverei und zeigt uns einen ehemaligen schwarzen Sklaven, der voller Hass und Rachegelüste auf einem Feldzug gegen weiße Sklaventreiber ist. Dieser hat, herausragend gespielt von Jamie Foxx, an der Kopfgeldjagd schließlich besonders großen Spaß und erfreut sich regelrecht an der Ermordung von Weißen. Richtig gehört: In „Django Unchained“ sind schwarze Sklaven nicht nur unschuldige Opfer, sondern greifen auch einmal selbst blutig zur Tat. Schockierend wird der Film nur deshalb, weil er so schön gewaltverherrlichend und zugleich voller Ironie ist. Ein Schwarzer begibt sich aus seiner Opferrolle heraus und stellt sich auf die gleiche Ebene, wie seine Feinde – doch dadurch bekommt „Django Unchained“ auch ungeahnten charakterlichen Tiefgang, denn ganz so schwarz –weiß, wie es meistens scheint, ist dann doch gar nichts. Das erinnert in seiner provokanten Art schnell an Tarantinos letztes Werk „Inglourious Basterds“, denn stilistisch unterscheiden sich beide Filme hauptsächlich bei der Story und der Kulisse, nicht jedoch bei der Charakterzeichnung und den Dialogen.

    Spottender Deutscher
    All das würde aber bei weitem nicht so gut funktionieren ohne die unvergleichliche schauspielerische Leistung von Christoph Waltz in der Rolle des deutschen Dr. King Schultz, der einmal mehr mit seinem hochgebildeten, fast schon eingebildeten Auftreten überzeugt und dabei voller Ironie und Zynismus seine Gegner allein mit Worten kalt zu stellen vermag. Den größten Unterhaltungswert erhält „Django Unchained“ einmal mehr dadurch, dass wir Waltz einfach beim Sprechen zuhören. Die Deutschen kommen dabei insgesamt als aufgeklärtes und gebildetes Volk weg, die über den Rassismus und die Sklaverei längst hinweg sind. Schnell erntet der Streifen zudem Sympathien damit, dass wir in der Verspottung der mittelalterlichen Sklaverei einen großen Spaß finden – eben nicht politisch korrekt, aber doch die Meinung eines vermutlich jeden Zuschauers entsprechend. Anders gesagt: Quentin Tarantino trifft mit den Dialogen und der Inszenierung den Nagel auf den Kopf und hat ein weiteres Meisterwerk erschaffen.

    Blutbad auf der Ranch
    Die besondere Abwechslung und vor allem die großen Überraschungsmomente gelingen Tarantino aber durch den ungeahnten Wechsel zwischen tiefgehenden Dialogen, ruhigen Szenen und geballter Action. Innerhalb weniger Sekunden können langatmige, überaus intelligente und mitreißende Dialoge in blutiger Gewalt enden, die völlig übertrieben nicht gerade zurückhaltend ist. Da fliegen im wahrsten Sinne die Fetzen, ganz Wände sind mit Blut beschmiert, Körperteile werden abgerissen und das alles, nachdem sich intelligente Menschen noch völlig in Ruhe, aber voller Zynismus unterhalten haben. Der Zuschauer dürfte gänzlich überrascht von der jeweiligen Situation sein und hat gerade deshalb Szenen, die er nicht mehr so schnell vergessen wird. Damit ist „Django Unchained“ ein weiteres Meisterwerk unseres geliebten Regisseurs Tarantino, der seine bekannten Stilmittel noch einmal gekonnt einsetzt.

    Fazit:
    Politisch inkorrekter Streifen über die amerikanische Sklaverei, der mit einer abwechselnden Mischung aus einzigartigen Charakterzeichnungen, zynischen Dialogen und brutalster Gewalt jeden Zuschauer überzeugen kann. Ein waschechter Tarantino.