Dieses bescheuerte Herz - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Dieses bescheuerte Herz

    Dieses bescheuerte Herz


    Land/Jahr:
    D 2017
    Genre:
    Drama
    Regie:
    Marc Rothemund
    Darsteller:
    Elyas M'Barek
    Philip Noah Schwarz
    Uwe Preuss
    Nadine Wrietz
    FSK:
    ab 0 Jahren
    Dauer:
    107 Minuten
    Kaufstart:
    26. Juli 2018
    Label:
    Constantin Film

    Eigentlich führt Lenny ein ziemlich unbeschwertes Leben voller Geld, Partys und Alkohol – und daran möchte er so schnell auch nichts ändern. Immerhin lebt es sich ja recht gut auf den Kosten des reichen Vaters, der ihm auch gerne einmal einen teuren Sportwagen von seinem Gehalt als Herzchirurg finanziert. Als dieser dann allerdings auch noch kurzerhand im nächsten Pool versenkt wird, platz ihm auf einmal der Kragen. Schon am nächsten Morgen sind die Kreditkarten des Sohnemanns gesperrt und auch der Zugang zum Elternhaus wird ihm versperrt. Einzige Bedingung, um auch zukünftig wieder von seinem Vater unterstützt zu werden: Er soll sich um den 15-jährigen David kümmern, der seit seiner Geburt unter einer schweren Herzkrankheit leidet und seinen Alltag nur mit Mühe überwinden kann. Denn der hat noch so einige Wünsche in seinem Leben, die er alleine vermutlich nicht zu stemmen in der Lage ist. Doch damit steht Lenny vielleicht vor der größten Herausforderung seines Lebens…

    Kritik:
    Der Umgang mit schwer kranken oder gar behinderten Menschen kann schon eine echte Herausforderung sein, die so manchen überfordern kann. Er kann aber auch das eigene Leben bereichern und für wertvolle Erfahrungen sorgen. Das muss in „Dieses bescheuerte Herz“ dann auch Elyas M’Barek feststellen.

    Ziemlich deutsche beste Freunde
    Man könnte den deutschen Filmemachern an dieser Stelle natürlich vorwerfen, keine innovativen eigenen Ideen mitzubringen. Dass sich jemand um einen schwer kranken Menschen kümmern muss und sich dadurch ganz besonders eng mit eben diesem anfreundet, kennen wir schließlich so ähnlich schon aus einem französischen Film. „Ziemlich beste Freunde“ wurde nicht nur zu einem Kultfilm, sondern behandelt dabei auch ein recht ähnliches Thema. Allerdings kann man einem deutschen Regisseur wohl kaum vorwerfen, dass er sich auf jenes Genre stürzt, das deutsche Regisseure bekanntlich am besten können. Und so scheint die ziemlich heftige und tiefgehende Thematik von „Dieses bescheuerte Herz“ perfekt zu sein, um daraus ein hochemotionales Drama zu machen. Das zugleich ist auch der große Unterschied zur französischen Konkurrenz: Marc Rothemund bleibt dem typisch deutschen Stil treu und setzt auf Ernsthaftigkeit, statt großen Humor.

    Eine erdrückende Thematik
    Und da liefert das Drama schon einen ziemlich schweren Brocken ab: Schon allein die Meisterleistungen des Jungdarstellers Philip Noah Schwarz gehen gewaltig unter die Haut. Immerhin ist seine Rolle nicht nur schwer herzkrank, benötigt ständige medizinische Betreuung und könnte jederzeit tot umfallen, sondern hat auch noch zahlreiche andere mehr oder minder kleine Wehwehchen: Die Leber will nicht mehr so recht mitspielen, die Niere macht auch Probleme, Übelkeitsattacken gehören zur Tagesordnung und selbst der Stuhlgang kann manchmal eine echte Tortur werden. Eigentlich ein Junge, der fast gar nichts mehr hat, was ihm noch Lebensfreude bereiten kann – und das soll ausgerechnet Elyas M’Barek in einer recht egomanischen, selbstsüchtigen Rolle ändern. M’Barek allerdings muss selbst schon gar nicht mehr viel tun, damit „Dieses bescheuerte Herz“ dem Publikum nahe geht. Es reicht schon völlig aus, den jungen David hier leiden zu sehen und bei seinen zahlreichen Behandlungen mitzufühlen, um Zuschauer zum Weinen zu bringen. Die Taschentücher in der Nähe liegen zu haben, können wir an dieser Stelle nur empfehlen. Umso erstaunlicher, dass es sich dabei um die Debütrolle von Philip Noah Schwarz handelt.

    Die richtige Zurückhaltung
    Vielleicht kann Elyas M’Barek in „Dieses bescheuerte Herz“ aber auch seine bisher beste Rolle abliefern. Mittlerweile hat er immerhin genügend Erfahrungen, um auch schwierigere Charakterrollen meistern zu können und schafft es daher auch grundsolide, seine eigenen Emotionen mitsamt seiner Überforderung glaubwürdig darzustellen. Mimik und Körpersprache passen da einfach perfekt, sodass M’Barek dem Publikum eine hervorragende Identifikationsfigur liefert, durch die wir erstklassig an die Situation des kranken Davids herangeführt werden. Zugleich aber gelingt ihm auch die notwendige Zurückhaltung, die seine feinfühlige Rolle benötigt, um Philip Noah Schwarz nicht die Show zu stehlen. Und da muss man angesichts früherer, wesentlich lockererer Rollen schon zugeben: Derartige Einfühlsamkeit hätten wir Elyas M’Barek noch vor ein paar Jahren gar nicht zugetraut. Doch mit seiner Leistung schafft er uns einen Satz zu entlocken, den wir schon lange nicht mehr gesagt haben: Endlich wieder richtig gutes deutsches Kino.

    Fazit:
    Das erdrückende Drama um die außergewöhnliche Freundschaft zwischen einem reichen Schnösel und einem schwer kranken Jungen ist nicht einfach nur eine Kopie von „Ziemlich beste Freunde“, sondern hervorragendes deutsches Kino, wie wir es schon lange nicht mehr gesehen haben. Dieser Film geht derart unter die Haut, dass der Zuschauer den Stoff danach erst einmal verdauen muss.

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