Die Päpstin - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Die Päpstin

    Die Päpstin


    Land/Jahr:
    D / GB 2009
    Genre:
    Drama
    Regie:
    Sönke Wortmann
    Darsteller:
    Johanna Wokalek
    John Goodman
    David Wenham
    Iain Glen
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Dauer:
    142 Minuten
    Kaufstart:
    8. April 2010
    Label:
    Constantin Film



    Am Tag, an dem der Kaiser starb, geschah es: Johanna wurde geboren. Schnell merkte jeder, dass sie ein besonders kluges Mädchen ist, das ihrem Alter stets voraus war. Doch damals war es für Mädchen strengstens verboten, Lesen zu lernen, obwohl Johanna unbedingt auch die Bibel lesen wollte. So setzte sie alles daran, gegen die aufgezwungene Rollenverteilung anzukämpfen – bis sie heimlich verschwand, um auf einer bischöflichen Domschule zu studieren. Auch dort musste jeder feststellen, dass sie den anderen weit überlegen ist, obwohl die Männerwelt immer noch dachte, Frauen wären zu logischem Denken überhaupt nicht fähig. Wie gut also, dass sie allen das Gegenteil bewies, denn so standen ihr bald alle Türen offen, um weiter voranzuschreiten. Nachdem sie dann eine lange Zeit als Mann in einem Kloster lebte, machte sie sich auf den Weg nach Rom, um schon bald zur ersten Päpstin der Welt zu werden…

    Kritik:
    Ob die Päpstin Johanna tatsächlich existiert hat, ist bis heute nicht gänzlich belegt. Auch jetzt gilt sie immer noch als Legende, dessen Wahrheitsgehalt nicht sicher, aber zumindest nicht widerlegt ist. So machte sich also auch die Autorin Donna Woolfolk Cross schon bald daran, das Leben von Johanna in einem Roman niederzuschreiben. Dass dieser Roman als Vorläge für den gleichnamigen Film von Sönke Wortmann diente, ist unschwer zu erkennen. Stets sind die Sprache und die Dialoge des Films sehr gehoben und fast schon poetisch gehalten. Hinzu kommt ein gelungener Sprecher, der die Geschichte oft aus dem Off begleitet. Doch „Die Päpstin“ überrascht auch, denn der Film wirkt zunächst nicht, wie ein religiöser Propagandafilm, sondern eher, wie ein gelungenes Historiendrama aus dem Mittelalter. Zu Beginn sehen wir die Kindheit von Johanna in einer Welt, voller Wissbegier, aber auch Gewalt. Die gelegentlichen Kämpfe sind mittelalterlich zu Pferd gehalten, die Kostüme passend zur damaligen Zeit gewählt.

    Emanzipation
    Doch im Mittelpunkt der Story steht weder die Religion, noch die damalige Streitmacht. Viel mehr geht es um die Emanzipation einer starken Frau, innerhalb einer Welt, die vollständig von Männern beherrscht wurde. Nicht einmal das Lesen und Schreiben durften Frauen damals lernen. Die Menschen glaubten, es wäre unchristlich, jungen Mädchen das Wissen beizubringen, da Mädchen angeblich nicht zu logischen Denkweisen in der Lage wären. So gab es fest vorgegebene Rollenverteilungen, bei der die Frau sich ausschließlich um Kinder und Haushalt zu kümmern hatte. Und wenn der eigene Vater dann auch noch Priester ist, ist das für die Tochter umso schlimmer. So ging es auch Johanna, die sich bereits als junges Mädchen von ihrem Bruder lehren ließ und schnell mehr Bildung erlangte, als ihr Bruder. Eine Schande, für die Familie. Also gab sie sich später, als Mann aus, um die selbe Bildung und die selben Freiheiten, wie die Männer erlangen zu könnten.

    Logik und Religion, zwei Gegensätze?
    Doch die Geschichte und die Handlungen von Johanna scheinen völlig paradox. Weil sie Wissen erlangen wollte und „unnatürlich“ war, wurde sie stets von ihrem christlichen Vater misshandelt. Sie musste sogar mit ansehen, wie ihre Mutter von diesem vergewaltigt wurde. Außerdem lief sie stets der Gefahr, ihre Identität aufzudecken. Paradox mag es daher sein, dass Johanna ausgerechnet in der Hierarchie aufstreben wollte, die sie doch eigentlich verabscheuen müsste. Die Kirche selbst hat es schließlich zu verantworten, dass es Mädchen untersagt war, Bildung zu erlangen – und doch wollte sie unbedingt in kirchlichen Einrichtungen lernen. Wir sehen also, „Die Päpstin“ zeigt uns zwar durchaus die negativen Seiten der Kirche, kann die Story aber nicht gänzlich glaubwürdig vermitteln. Es mag zwar nachvollziehbar sein, dass Johanna so viel an der Freiheit lag, dass sie sich auf diesen Weg einließ, doch es ist nie ersichtlich, dass sie die Kirche verabscheut. Stattdessen scheint sogar sie selbst den Weg des Glaubens zu gehen, was überhaupt nicht schlüssig ist. Ein Mädchen, das so klug ist, wie sie, müsste unter diesen Umständen doch eigentlich erkennen, dass die Kirche schlecht ist – doch soweit, scheint auch Johanna nicht denken zu können. Problematisch mag dabei außerdem sein, dass die Religion hier tatsächlich als Wahrheit dargestellt wird. So verkündet ein Bischof die Worte, „ich denke, also gibt es Gott“ und aus dem Off wird erläutert, dass Johanna die Wahrheit in diesen Worten erkannte. Eine Szene, die religionskritischen Menschen zu denken geben dürfte. Trotz all dieser doch offensichtlichen Kritikpunkte gegen die Kirche und die deutliche Unterstreichung durch brutalste Gewalt, wird die Kirche selbst am Ende in ein positives Licht gerückt, denn Kinderindoktrination scheint ebenso als richtig angesehen zu werden, wie die Existenz Gottes. Das dürfte nicht jedem Zuschauer gefallen.

    Starke Persönlichkeit
    Dennoch bietet „Die Päpstin“ eine überaus spannende Geschichte. Johanna zeigt nämlich stets eine starke Persönlichkeit, die sich in der Lage sieht, es mit der ganzen Welt aufzunehmen. Sie lehnt sich gegen ihren Vater auf, versteckt sich in den Gewändern eines Mannes und steigt an oberster Stelle der Kirche auf. Sie ist einfach der Inbegriff einer charakterstarken Frau, die in der Lage wäre, alles zu erreichen – und genau das tut sie. Die ständige Gefahr, ihre Identität aufzudecken und sich so in Lebensgefahr zu begeben, sowie das optimale Erzähltempo, machen „Die Päpstin“ also zu einer großen, spannenden Geschichte, die durchgehend zu unterhalten weiß und gar nicht so propagandistisch erscheint, wie sie zunächst den Eindruck macht.

    Fazit:
    Eine wahrlich große und spannende Geschichte über die Emanzipation einer besonders charakterstarken Frau.