Die neun Pforten - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Die neun Pforten

    Die neun Pforten


    Land/Jahr:
    USA / F / E 1999
    Genre:
    Mystery
    Regie:
    Roman Polanski
    Darsteller:
    Johnny Depp
    Frank Langella
    Emmanuelle Seigner
    James Russo
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Dauer:
    133 Minuten
    Kaufstart:
    Remastered:
    20. Dezember 2018
    Label:
    Studiocanal

    Der „Buch-Detektiv“ Dean Corso hat es schon seit vielen Jahren auf die seltensten und wertvollsten Bücher abgesehen. Von bekannten Sammlern wird er daher regelmäßig beauftragt, den Wert bestimmter Bücher oder ganzer Sammlungen zu bestimmen. Dieses Mal allerdings hat der private Sammler und Millionär Boris Balkan einen ganz besonderen Auftrag für ihn: Ihm ist es gelungen, ein seltenes Exemplar des Buches der „neun Pforten ins Reich der Schatten“ zu ergattern, von dem es nur noch drei Exemplare auf der gesamten Welt gibt. Nun soll Corso für ihn herausfinden, ob es sich bei seinem Buch tatsächlich um ein Original oder um eine Fälschung handelt. Dumm nur, dass es sich bei dem Werk um eine Anleitung zur Beschwörung des Teufels handelt und Corso noch gar nicht ahnt, welche Macht tatsächlich in diesen Seiten steckt…

    Kritik:
    Zwanzig Jahre ist es mittlerweile her, dass der Kult-Thriller „Die neun Pforten“ von Roman Polanski zum ersten Mal auf der großen Leinwand zu sehen war. Nach zahlreichen Veröffentlichungen erschien der Streifen nun erstmals zum Jubiläum in einer restaurierten Remastered-Fassung. Doch hat der Film seit damals an Qualität eingebüßt?

    Literatur des Teufels
    Für heutige Sehgewohnheiten mag „Die neun Pforten“ zumindest auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftig erscheinen. Roman Polanski lässt sich bei seinem Klassiker nämlich reichlich Zeit für lange Einstellungen, ausschweifende Dialoge und eine ebenso langsame Körpersprache seiner Figuren. Es mag fast ein bisschen banal erscheinen, wenn Johnny Depp mit den Buchsammlern über den Wert dieses speziellen Werkes philosophiert und mit der Lupe nach Abweichungen und Hinweisen innerhalb des Buches sucht. Fast schon so, als warte er regelrecht darauf, dass das Böse und Unheimliche endlich zu ihm kommt und als wollte er den Zuschauer in der stetigen spannenden Erwartungen lassen, dass doch bald irgendetwas schreckliches passieren müsse. Man kann an dieser Stelle sicherlich nicht abstreiten: Seine Fans hat „Die neun Pforten“ wohl gerade wegen diesem ungewöhnlichen Inszenierungsstil.

    Viel Spannung mit wenig Aufwand
    Gerade dadurch bekommt der Mysterythriller nämlich erst seine überaus dichte Atmosphäre, bei der schon die unheimliche Musik den Zuschauer in seinen Bann zieht. Roman Polanski lässt sein Publikum nämlich am liebsten im Dunkeln, wenn in der direkten Umgebung von Johnny Depp immer mysteriösere Dinge passieren und seltsame Mordfälle geschehen. Über große Strecken hinweg bleibt völlig unklar, ob es sich bei den oft nicht klar erkennbaren Attentätern, die es auf die Hauptfigur abgesehen haben, um menschliche oder übernatürliche Gestalten halten soll. Gerade im Hinblick auf den Hintergrund des Buches, um das sich der Kern der Handlung dreht, entwickelt „Die neun Pforten“ damit etwas unnahbares und nicht greifbares – womit der Spannungsbogen über lange Strecken hochgehalten wird und die Atmosphäre zunehmend immer dichter wird. Eigentlich erscheint es schon faszinierend, mit wie wenigen und einfachen Mitteln es doch gelingen kann, ein in sich stimmiges und funktionierendes Werk zu erschaffen.

    Ein junger Johnny Depp
    Natürlich wird so mancher abgestumpfte Horrorfan, der hier ein wenig mehr Action erwartet, vielleicht auch seine Probleme mit dem Film haben. Man muss nämlich schon zugeben, dass die sehr langsam und ruhig inszenierte Handlung durchaus seine Längen haben kann und es eine gewisse Geduld des Zuschauers erfordert, sich ebenso konzentriert auf das Buch zu stürzen, wie Johnny Depp es nur zu gerne an seinem Schreibtisch tut. Das allerdings passt umso besser zum Charakter der Hauptfigur, der selbst einen recht ruhigen und introvertierten Eindruck hinterlässt. Johnny Depp sieht in diesem Werk zwar ungewohnt jung aus, legt es aber keineswegs auf Action oder Schlägereien an. Als kettenrauchender Antiquar wirkt die langsame Rolle auf den in Bedrohungssituationen oft hilflos erscheinenden Johnny Depp geradezu wie angegossen. In diesem Streifen von Roman Polanski wurde eben vieles bis ins Detail überlegt und auf ein stimmiges Gesamtbild weit mehr wert gelegt, als auf schnelle Action. Das macht „Die neun Pforten“ aber auch zu einem Film, der auch nach zwanzig Jahren noch zeitlos erscheint und nichts von seiner Spannung verloren hat.

    Fazit:
    Auch nach zwanzig Jahren ist es noch erstaunlich, mit wie wenigen und banalen Mitteln Roman Polanski einst ein stimmiges, atmosphärisch dichtes und spannendes Werk schaffen konnte, das aus heutiger Sichtweise zeitlos erscheinen mag.

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