Der Fall Collini - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Der Fall Collini

    Der Fall Collini


    Land/Jahr:
    D 2019
    Genre:
    Thriller
    Regie:
    Marco Kreuzpaintner
    Darsteller:
    Elyas M'Barek
    Alexandra Maria Lara
    Franco Nero
    Heiner Lauterbach
    Jannis Niewöhner
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Dauer:
    118 Minuten
    Kaufstart:
    2. Oktober 2019
    Label:
    Constantin Film

    Der junge Anwalt Caspar Leinen ist eigentlich noch ein echter Grünschnabel im Gerichtssaal. Umso weniger ahnt er, wie schwierig ausgerechnet sein erster Fall werden würde, an den er lediglich über eine Pflichtverteidigung gerät. Er soll schließlich den 70-jährigen Italiener Fabrizio Collini verteidigen, der scheinbar grundlos den Industriellen Hans Meyer brutal ermordet hat. Die ersten Aufeinandertreffen gestalten sich allerdings keineswegs einfach: Mit Collini hat es der Anwalt nämlich mit einem wenig redseligen Mandanten zu tun. Praktisch während des gesamten Prozesses weigert sich der Täter zu sprechen und nicht einmal zu den Gründen für seine Tat möchte er sich äußern. Doch während Caspar Leinen ohnehin damit zu kämpfen hat, dass das Opfer ausgerechnet der Großvater seiner Jugendliebe Johanna ist, ist er felsenfest davon überzeugt, dass mehr hinter der Tat stecken muss, als Collini zugibt…

    Kritik:
    Wenn in Deutschland ein Drama gedreht wird, ist ein Thema dabei sicherlich keine Seltenheit: Die Zeit des Nationalsozialismus. Desöfteren geht es dabei natürlich auch um die Aufbereitung der damaligen Ereignisse und dessen spätere juristische Folgen. Auch in „Der Fall Collini“ beschäftigen wir uns mit einem solchen Fall.

    Erfahrener spielt Grünschnabel
    Und wenn es darum geht, einen deutschen Schauspieler zu finden, der nahezu jede Rolle solide besetzen kann, dann ist zumindest Elyas M’Barek in der Regel eine Instanz, die man bedenkenlos engagieren kann. So liefert er auch in „Der Fall Collini“ eine glaubwürdige Figur ab, der wir die Herausforderung mit einem besonders schwierigen Fall jederzeit abkaufen. Ein bisschen unbeholfen und noch ein wenig in die Falle der Anfängerfehler tappend, spielt M’Barek schließlich den jungen Anwalt Caspar Leinen, der im Gerichtssaal noch unerfahren und deshalb anfänglich mit einem solch schwierigen Fall durchaus überfordert ist. Gleichzeitig kaufen wir ihm das intensive Engagement und den Willen zum Erfolg jederzeit ab. Die Kombination aus Unerfahrenheit und Ehrgeiz macht die Figur von M’Barek zur perfekten Hauptrolle.

    Kreuzpaintner verfehlt sein Genre
    Trotzdem möchte „Der Fall Collini“ beim Publikum vor allem in der ersten Hälfte nicht so recht zünden, obwohl M’Barek eigentlich zu jedem Zeitpunkt überzeugt. Die Probleme des Films jedoch liegen vor allem im Drehbuch und in der Regiearbeit, weil sie dafür sorgen, dass der Streifen sein eigentliches Genres um Kilometer verfehlt. Was nämlich eigentlich als Gerichtsthriller gedacht war, in dem vor allem die Verhandlungen und Wortgefechte für Spannung sorgen, funktioniert eher auf der persönlichen und emotionalen Ebene. Nämlich dann, wenn M’Barek mit seinen eigenen Gefühlen zu kämpfen hat oder er allmählich dem Täter, gespielt von der Legende Franco Nero, doch ein paar Worte über seine Vergangenheit entlocken kann. Im Gerichtssaal allerdings, also jenem Teil, der einen Großteil der Laufzeit des Films ausmacht, bekommt „Der Fall Collini“ seinen Spannungsbogen einfach nicht hin. Viel zu trocken und zu oberflächlich wird sich da mit den juristischen Abläufen auseinandergesetzt, dass sich das Publikum im Gerichtssaal leider schnell langweilen kann. Anders ausgedrückt: Mit dem Hintergrund der Nazi-Geschichte macht „Der Fall Collini“ den Fehler, seinen Fokus komplett falsch zu platzieren und den Nazi-Szenen mehr Wichtigkeit einzuräumen, als der juristischen Darstellung.

    Eine schweigsame Legende
    Jetzt muss man natürlich hinzufügen, dass es auch Schauspiel-Legende Franco Nero nicht unbedingt einfacher macht, Spannung in den Gerichtssaal zu bekommen. Natürlich bewusst und passend zu seinem psychologischen Profil sitzt die Figur von Franco Nero meist teilnahmslos und wortkarg auf den Anklagebänken herum. Das ist natürlich insofern gewollt, dass der geschichtliche Hintergrund ihm ein Trauma verpasst hat und auch M’Barek auf einen sehr schwierigen Mandanten treffen soll, sorgt in Ermangelung echter Wortgefechte aber zugleich nicht für einen schnellen Spannungsaufbau. Nero wirkt hier oftmals zu unnahbar und bietet nur wenig Punkte für das Publikum, sich in die Figur ernsthaft hineinzuversetzen. Auf der anderen Seite wirkt Nero auf Grund seines Alters und seiner langjährigen Erfahrung auch regelrecht unterfordert mit dieser viel zu anspruchslosen und einfachen Rolle, bei der er lediglich ein bisschen mit seiner Mimik herumspielt. Da kann er zwar ansich nicht viel falsch machen, aber die dramaturgische Entscheidung, Collini zu einem distanzierten Charakter zu machen, mag zwar in der Buchvorlage hervorragend funktionieren, sorgt aber im Film dafür, dass „Der Fall Collini“ qualitativ weit von herausragenden Klassikern wie „Die Jury“ entfernt ist – daran muss sich ein solcher Genrefilm aber messen lassen.

    Fazit:
    Trotz der großartigen schauspielerischen Leistungen von Elyas M’Barek, der seine Erfahrungen voll ausspielen kann, scheitert „Der Fall Collini“ bei seinem Spannungsbogen daran, dass Regie und Drehbuch schlicht das Genre verfehlen und statt einen Gerichtsthriller lieber ein Nazi-Drama inszenieren. Dieses Konzept geht aber nur spärlich auf, wenn der Film zur Hälfte in einem Gerichtssaal spielt.

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