Das Urteil von Nürnberg - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Das Urteil von Nürnberg

    Das Urteil von Nürnberg


    Land/Jahr:
    USA 1961
    Genre:
    Drama
    Regie:
    Stanley Kramer
    Darsteller:
    Spencer Tracy
    Burt Lancaster
    Richard Widmark
    Marlene Dietrich
    Maximilian Schell
    Judy Garland
    Montgomery Clift
    William Shatner
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Dauer:
    190 Minuten
    Kaufstart:
    26. Oktober 2018
    Label:
    Capelight

    1948 in Nürnberg: Die Folgen des Zweiten Weltkrieges sind in der historischen bayrischen Stadt noch immer nicht zu übersehen und Deutschland weiterhin in mehrere Besatzungszonen unterteilt. Für die Amerikaner gibt es unterdessen vor allem ein wichtiges Ziel: Die Verantwortlichen der schrecklichen Gräueltaten des NS-Regimes endgültig zur Rechenschaft zu ziehen. Dafür sitzen auch mehrere Richter auf der Anklagebank, die einst die Zwangssterilisation von „Asozialen“ angeordnet haben und für zahlreiche Hinrichtungen an Juden und politisch Andersdenkenden verantwortlich sind. Für den US-amerikanischen Richter Dan Haywood steht damit der wohl schwierigste und umstrittenste Prozess seiner gesamten Karriere an, denn er muss sich mit der Frage auseinandersetzen, in wie weit die Richter selbst die Gesetze des Landes formten oder ob sie als Untergebene der Gesetzgebung gar keine andere Wahl hatten, als die betreffenden Urteile zu fällen. Doch bereits das Aufrollen der Geschehnisse mithilfe von Videomaterial und die knallharte Konfrontation der überlebenden Opfer zerren an den Nerven aller Beteiligten…

    Kritik:
    Gerichtsfilme hat es über die Jahrzehnte ziemlich viele gegeben und einige davon konnten sogar richtig überzeugen. Die schwierige Aufarbeitung der Nazi-Prozesse nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges hingegen sind ein kontroverser Stoff, an den sich auch heute nur wenige Regisseure herantrauen – obwohl die deutsche Filmindustrie eigentlich dafür bekannt ist, das NS-Regime zuhauf zu thematisieren. Und obwohl „Das Urteil von Nürnberg“ bereits über fünfzig Jahre alt ist, kann sich dieser Streifen, der zur damaligen Zeit auch gleich zwei Oscars erhielt, gewaltig von anderen Produktionen abheben – sowohl von anderen Filmen über den Zweiten Weltkrieg, als auch von vergleichbaren Gerichtsfilmen.

    Aus der Zeit gefallen
    Vielleicht auch deshalb, weil bereits die Inszenierung des Filmes für heutige Sehgewohnheiten recht ungewöhnlich erscheinen mag. Da ist nicht nur die mit mehr als drei Stunden überaus hohe Länge des Films, sondern auch die aus dramaturgischen Gründen gelegentlich gewählte Langsamkeit. Da beschränken sich die ersten fünf Minuten des Filmes noch mit einer „Overtüre“, in der zur damaligen Zeit übliche deutsche Musik gespielt wird und auch zur Mitte des Streifens darf es dann einmal – ähnlich wie in Stanley Kubricks „2001“ – eine Intermission sein, in der Marschmusik für eine Pause sorgt, in der sich das Publikum mit neuen Getränken und Knabbereien eindecken konnten. Capelight hat sich in dieser Veröffentlichung natürlich dazu entschieden, diese filmischen Stilmittel nicht zu entfernen, sondern sie in ihrer vollen ungekürzten Länge im Film zu belassen, was sicherlich ungewohnt erscheint, den interessierten Zuschauer aber nicht abschrecken sollte. Denn kommt der Film erst einmal zur Sache, könnte man andernfalls ein echtes Meisterwerk der Filmgeschichte verpassen.

    Oscar für einen kleinen Hitler
    Die Pause allerdings erscheint mitunter auch notwendig, um die Konzentration des Publikums noch einmal aufzufrischen. Immerhin handelt es sich bei „Das Urteil von Nürnberg“ um keinen leichten Stoff, sondern hinsichtlich seiner Handlung um einen richtigen Brocken. Die Story hat nämlich so viele Kontroversen zu erzählen, dass bei einer Länge von 190 Minuten keine einzige Sekunde verschenkt wird, obwohl es sich im Grunde eigentlich um ein Kammerspiel handelt, das nahezu vollständig in einem Gerichtssaal spielt. Da allerdings hat Maximilian Schell als knallharter Verteidiger einst zurecht den Oscar als bester Hauptdarsteller erhalten. Wenn er skrupellos die Opfer des NS-Regimes vorführt und die Zeugen noch einmal die damaligen Erlebnisse durchleben lässt, nur um mit allen Mitteln die angeklagten Richter zu verteidigen, dann geht das so richtig unter die Haut. Die dazu passende Verwendung alter Mikrofontechnik und eine Stimme, die nicht nur in ihrer Rhetorik, sondern auch in ihrer Betonung an Hitler erinnert, verstärken dann die Intensität so sehr, dass Maximilian Schell in dieser Rolle auf jeden Fall lange Zeit in Erinnerung bleibt. Da muss selbst so manch abgestumpfter Zuschauer schon einmal schlucken.

    Die Last der Moral
    Und gerade dabei wird auch deutlich, warum man sich von der hohen Laufzeit des Films nicht abschrecken lassen sollte, sondern sicherlich seine Zeit nicht verschwendet, lässt man sich darauf ein: Durch das ständige, wiederholte Durchkauen der Opfer-Erlebnisse und eine nahezu dreistündige Argumentation zur Relativierung von Gräueltaten, die vermutlich nicht nur den Zeugen im Gerichtssaal, sondern auch dem Publikum an den Nerven zerren, wirkt „Das Urteil von Nürnberg“ letztendlich überhaupt so extrem erdrückend. Eine Kürzung wäre hier gar kontraproduktiv gewesen und hätte der schweren Last dieser Handlung tatsächlich sogar schaden können. Dieser Streifen möchte es nämlich weder den Richtern, noch dem Zuschauer allzu einfach machen, moralische Urteile zu fällen und setzt die Dialoge aller Protagonisten bis ins Detail so präzise um, dass das Publikum selbst aus heutiger Sicht noch in einen Zwiespalt geraten kann. Und das dürfte eine Kunst sein, die in der heutigen Zeit, in der Filme fast nur noch aus Action und Effekten bestehen, nur noch sehr wenige Werke beherrschen, wodurch „Das Urteil von Nürnberg“ auch zu einem zeitlosen Werk mit hohem künstlerischen Wert wird.

    Emotionen allein durch Mimik
    Damit sich der Streifen aber nicht zu sehr zieht, lockert man ihn immer wieder mit einigen einfühlsamen und nachdenklichen Szenen auf. Oftmals reicht dafür schon die brillante Mimik eines Spencer Tracy in der Rolle des herausragenden Richters. Da besucht er historische Orte des Naziregimes und er starrt nachdenklich-bedrückt in die Kamera um seinen inneren Konflikt bei diesem Fall zu verdeutlichen oder ein Angeklagter kommt mit einem ehemaligen Leiter eines Konzentrationslagers ins Gespräch und kann die Ausmaße seiner eigenen Urteile selbst kaum fassen. Die Dialoge gehen auch hier unter die Haut: „Die Schwierigkeit war nicht das Töten. Sondern die Leichen loszuwerden. Das war das Problem“ heißt es da ohne jegliche Skrupel in einem der vielleicht wichtigsten Auseinandersetzungen, in der es letztendlich auch darum geht, wie viel das deutsche Volk und letztendlich auch die Richter wohl selbst von den Gräueltaten gewusst haben mögen. In seiner enormen Laufzeit schafft es „Das Urteil von Nürnberg“ dabei immer wieder, den Zuschauer zum Nachdenken anzuregen und manchmal fühlt er sich von der extremen Rhetorik sogar selbst ein bisschen erdrückt. Obwohl der Streifen insgesamt eigentlich keine optisch schlimmen Szenen zeigt und auf Gewaltdarstellung praktisch verzichtet, handelt es sich um einen Film, den man anschließend erst einmal verdauen muss.

    Perfekte Darstellerwahl bis ins Detail
    Dass das so gut funktioniert, hat man aber auch jedem einzelnen der Darsteller zu verdanken, egal wie klein ihre Rolle auch gewesen sein mag. Selbst die Schauspieler auf dem Zeugenstand zeigen in ihren vergleichsweise kurzen Auftritten allesamt herausragende Leistungen – vor allem, wenn es sich um Opfer der damaligen Gerichtsurteile handelt, die von ihrer eigenen Zwangssterilisation berichten müssen oder davon, wie ihre Beziehung zu einem Juden gewaltvoll beendet wurde. „Heftig“ wird da wohl so mancher Zuschauer im Angesicht eines jeden einzelnen Betroffenen sagen. Die Macher allerdings hatten auch ein richtiges Händchen für eine herausragende Darstellerwahl: So sehen wir mit Marlene Dietrich etwa, zu welch grandiosen Leistungen deutsche Darsteller doch einmal in der Lage waren und selbst ein William Shatner, den die meisten seiner Fans als Captain Kirk aus „Raumschiff Enterprise“ kennen, durfte in einer Nebenrolle auftreten, noch bevor er überhaupt seinen großen Durchbruch hatte. Lustigerweise übrigens auch in diesem Fall in der Rolle eines Captains. Manchmal und so auch in diesem Fall jedenfalls macht die richtige Auswahl der Darsteller schon den wichtigsten Teil eines Films aus.

    Fazit:
    Obwohl das beeindruckende Gerichtsdrama aus dem Jahre 1961 zum Teil deutlich von den heutigen Sehgewohnheiten abweicht, geht nicht nur die Handlung gewaltig unter die Haut, sondern auch die erdrückende Inszenierung derselbigen, bei der Opfer des NS-Regimes immer wieder konfrontiert und vorgeführt werden. Hauptdarsteller Maximilan Schell hat dafür in der Rolle des knallharten Verteidigers einst zurecht den Oscar erhalten und „Das Urteil von Nürnberg“ damit zu einem Meisterwerk der Filmgeschichte gemacht.

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