Das Haus der Krokodile - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Das Haus der Krokodile

    Das Haus der Krokodile


    Land/Jahr:
    D 1975
    Genre:
    Serie / Krimi
    Regie:
    Wilhelm ten Haaf
    Darsteller:
    Thomas Ohrner
    Carolin Ohrner
    Evelyn Palek
    FSK:
    ab 6 Jahren
    Dauer:
    180 Minuten
    Kaufstart:
    28. August 2014
    Label:
    Studio Hamburg

    Der 12-jährige Victor lebt mit seiner Familie in einem verwinkelten und unheimlichen Haus. Während seine Eltern verreist sind, kümmern sich die beiden größeren Schwestern Cora und Louise um ihn, zumal er momentan nicht allzu häufig zur Schule muss. In der Folge verbringt er also einige Vormittage völlig allein in der Wohnung und kommt auf ziemlich verrückte Ideen. Eines Mittags ist er davon überzeugt, einen unbekannten Einbrecher in einem Spiegel beobachtet zu haben und hat deshalb einen Herren aus der Wohnung unter ihm im Verdacht. Unbedingt möchte er herausfinden, um wen es sich bei dem unbekannten Einbrecher handelt und wonach er so konsequent auf der Suche ist. Die Hinweise verdichten sich, der Mann scheint immer wieder aufzutauchen und geschickte Methoden sind nötig, um den vermeintlichen Täter zu stellen. Doch seine Schwestern halten seine Behauptungen für reine Hirngespinste. Victor ist also auf sich allein gestellt und kommt womöglich einem dunklen Geheimnis auf die Schliche, das im Zusammenhang mit dem Tod eines Mädchens stehen könnte…

    Kritik:
    Schon lange bevor Christoph Maria Herbst in der Neuverfilmung als Bösewicht sein Unwesen trieb, begeisterte der bayrische Rundfunk mit einer Serie basierend auf dem Jugendroman von Helmut Ballot. Im Jahre 1975 hielt man sich schließlich ein wenig mehr an der Vorlage und schaffte es stilistisch in den sechs kurzen Folgen, eine ganz eigene nostalgische Atmosphäre zu erschaffen.

    Im Kopf eines Kindes
    Damals war Thomas Ohrner noch ein richtiger Newcomer im Fernsehgeschäft, ein echter Jungdarsteller. Mit seinen gerade einmal zehn Jahren war er perfekt für die Rolle eines kleinen Jungen, der sich ein wenig in die eigene Fantasiewelt zurückzieht und im spielerisch naivem Stil einen Einbrecher überführen möchte. Ganz anders als Erwachsene wohl an diese Krimigeschichte herangehen würden, scheint „Das Haus der Krokodile“ für Kinder im Grundschulalter perfekt abgestimmt zu sein. Alles wirkt schließlich etwas unheimlicher, viele Ereignisse könnten eine Gefahr sein. Ein bisschen in der Schublade gekramt, ein paar Geräusche in der Nacht, versetzte Krokodile – das allein reicht schon aus, um ein Kind in höchste Spannung zu versetzen und den Detektiv in einem kleinen Jungen zu wecken. Man vertraut hier ganz klar auf die Fantasie von jüngeren Zuschauern, ohne ihnen – wie heute meist üblich – gleich alle Tatsachen auf die Nase zu binden. Sicherlich sehr spannend und für manche weckt das auch Kindheitserinnerungen an die 70er Jahre.

    Grusel mit Banalitäten
    Dass dies für einen Erwachsenen heute keine echte Wirkung mehr hat, sollte natürlich jedem klar sein. Denn wenn Banalitäten, wie versetzte Gegenstände und Taschenlampen in der Nacht für Grusel sorgen könnten, mag die düstere Stimmung bei älteren Zuschauern natürlich nicht mehr auftreten. Etwas zu offensichtlich scheinen da die Hintergründe und die Ereignisse, obwohl der wahre „Täter“ selbst heute noch einige Neulinge der Serie überraschen könnte. Nichts desto trotz löst „Das Haus der Krokodile“ eine gewisse Spannung aus, wenn sich Victor auf die Suche nach dem Einbrecher macht und alle Hebel in Bewegung setzt, um ihn auf frischer Tat zu ertappen. Das krimiartige Rätselraten könnte daher auch bei Erwachsenen durchaus noch funktionieren – auch wenn die Spannung sicherlich nicht mit einem „Tatort“ oder noch höherwertigeren Produktionen vergleichbar ist. Familien mit Kindern sollten der Mini-Serie allerdings eine Chance für einen gemeinsamen Nachmittag mit den Jüngsten geben.

    Charme der Nostalgie
    Unterdessen kann „Das Haus der Krokodile“ aber auch einfach deshalb schön sein, weil man sich gern an die guten alten 70er Jahre erinnert. Mitten im Münchener Stadtteil Bogenhausen gedreht, bekommt der Zuschauer gelegentlich auch einen Blick auf den damaligen Alltag. Die Aufnahmen auf offener Straße, auf denen jedes zweite passierende Fahrzeug aus einem VW Käfer besteht, dürften für so manchen einen ziemlich nostalgischen Wert haben. Selbiges gilt natürlich auch für die schweren rustikalen Holzmöbel in der Wohnung und die Wählscheibentelefone, an die sich manche gern erinnern. Hier passt einfach die gesamte Kulisse sehr authentisch in die 70er Jahre, ohne dass die Zimmer künstlich zu Labyrinthen und Gruselräumen umgestaltet wurden, wie dies im 2012er Remake gelegentlich der Fall war. Damit wird die Serie auch zu einem interessanten Stück der Fernsehgeschichte. Einziges Manko: Bisher finden wir keine restaurierte Fassung vor, sodass sich die Serie optisch eher auf dem Niveau einer Videokassette befindet.

    Fazit:
    Noch heute spannend und perfekt auf die Sichtweise von Kindern angepasst: „Das Haus der Krokodile“ besitzt auch nach fast vierzig Jahren noch immer seinen nostalgischen Charme und sorgt über drei Stunden für aufregende Kinder-Unterhaltung.