Cheyenne - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Cheyenne

    Cheyenne


    Land/Jahr:
    F / IRL / I 2011
    Genre:
    Drama
    Regie:
    Paolo Sorrentino
    Darsteller:
    Sean Penn
    Frances McDormand
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Dauer:
    114 Minuten
    Kaufstart:
    5. April 2012
    Label:
    Delphi Filmverleih


    Cheyenne war einer der besten und erfolgreichsten Rockmusiker, hat seinerzeit sogar an der Seite von Mick Jagger gespielt. Doch diese Zeiten sind längst vorbei, denn Cheyenne ist inzwischen 50 Jahre alt, macht seit vielen Jahren keine Musik mehr und lebt zurückgezogen mit seiner Frau Jane in einer riesigen Villa. Aber all der Luxus kann nichts daran ändern, dass er stets zwischen Langeweile und Depression hin und her wechselt und dabei keinerlei inneren Antrieb in seinem Leben mehr findet – abgesehen von der Tatsache, dass er sich bis heute noch schminkt, schwarz gekleidet umher läuft und roten Lippenstift aufträgt. Nun allerdings könnte ein Ereignis ihm endlich neues Leben einhauchen, denn sein Vater, mit dem er seit dreißig Jahren nicht mehr gesprochen hat, liegt in seinem Sterbebett, kurz davor an Altersschwäche zu sterben. Da erfährt er, dass dieser alte Mann als gläubiger Jude von Rache besessen war und lediglich das Ziel verfolgte, einen anderen Mann für eine Demütigung zu töten. Cheyenne macht es sich zur Aufgabe, dieses Ziel zu Ende zu bringen…

    Kritik:
    Die alternden Rockstars mit ihren merkwürdigen, anti-sozialen Verhaltensweisen kennen wir wohl zu genüge und wurden dank Ozzy Osbourne sogar längst auf die Bildschirme der heimischen Fernseher gebracht. Nun versucht sich Sean Penn an einer Figur, die noch weit seltsamer erscheint, als Ozzy – doch ein gewisser Look und völlig abgedrehte Charaktere haben die beiden wohl irgendwie gemeinsam.

    Ein merkwürdiger Geselle
    Sean Penn ist da kaum mehr wiederzuerkennen, wenn er sein Gesicht weiß schminkt, sich roten Lippenstift aufträgt und mit langen schwarzen zotteligen Haaren einfach nur vor sich hinlebt. Genau so läuft Cheyenne schließlich Tag und Nacht herum, denn nicht einmal zum schlafen nimmt er sein Make-up ab. Doch genauso, wie seine Stylingprodukte, verändert sich auch sein gesamtes Leben nicht, da der alte Rockstar nur noch vor sich hin vegetiert, ohne jeglichen Antrieb und ohne wirkliche Lebenslust. „Cheyenne“ ist damit ein sehr ruhiger, träger und auch langsamer Film, der bei Actionfans keinen großen Anklang finden wird. Doch für Sean Penn, der den Film praktisch ganz alleine trägt, ist es eine meisterhafte Rolle, für die er ohne Zweifel zahlreiche Auszeichnungen verdient hätte. Stets im Wechsel zwischen Depression und Langeweile, bei all der angehäuften innerlichen Wut, schafft er eine melancholische einzigartige Figur, die seinesgleichen sucht. Doch niemals kommen diese starken Emotionen zum Ausdruck, denn mit einer derartig exzentrischen und pedantischen Persönlichkeit, achtet Cheyenne viel mehr auf jedes kleinste Detail.

    Spiegel des Verrücktseins
    Die gebrochene Ausdrucksweise, die stets langsam, sachlich und zögernd aus dem Munde von Sean Penn kommt, passt nur allzu perfekt zum abgedrehten Charakter des Rockstars, der irgendwie fast selbstreflektierend wirkt. Cheyenne ist ein Spiegel für seine Umgebung, führt mit seinem Auftreten die Verrücktheit der anderen vor Augen, obwohl er selbst die ungewöhnlichste Gestalt im Film sein mag. Doch irgendwie steckt eine Vernunft und eine Weisheit in diesem optischen Gothic-Struwwelpeter, die das Leben ansich doch viel besser versteht als seine Umwelt. Doch gerade die Arroganz, die Sean Penn hier zum Ausdruck bringt, wenn er auf seine Mitmenschen wegen ihrer Normalität herabsieht, als seien sie Außerirdische, macht einen ganz eigensinnigen Stil aus, den wir so noch nicht gesehen haben. Dabei bleibt aber alles natürlich niveauvoll und auch humorvoll, denn ganz im Detail kommt doch ein gewisser ironischer Witz auf, der eigentlich nur durch die Pedanterie von Cheyenne überhaupt erst entstehen kann. Das ist Kunst von seiner reinsten Form, für die man eine gewisse Vorliebe braucht, die aber bei genauerem Hinsehen und einem Blick fürs Detail auch sehr unterhaltsam sein kann. Toller Film – ganz jenseits des Mainstreams.

    Fazit:
    Ein pedantischer und exzentrischer Rockstar mit außergewöhnlichen Charakterzeichnungen zwischen Langeweile und Depression verschaffen Sean Penn eine meisterhafte Charakterrolle, die ihm zu einer der besten Leistungen seiner Karriere verhilft.