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Baby Driver


Baby Driver

Land/Jahr:
USA 2017
Genre:
Action
Regie:
Edgar Wright
Darsteller:
Ansel Elgort
Kevin Spacey
Jamie Foxx
Lily James
Eiza Gonzales
Jon Hamm
Jon Bernthal
FSK:
ab 16 Jahren
Dauer:
113 Minuten
Kaufstart:
4. Dezember 2017
Label:
Sony Pictures



Baby ist ein junger und talentierter Fluchtwagenfahrer, der ganz eigene Methoden hat, um bei seinen Aufträgen möglichst erfolgreich zu sein. Er hat nämlich nicht nur herausragende Fähigkeiten hinter dem Lenkrad, sondern bevorzugt vor allem auch noch gute Musik auf den Ohren, um am Steuer auf keinen Fall abgelenkt zu werden. Gerne auch einmal selbst produziert. Obwohl das für seine Komplizen mitunter etwas befremdlich erscheinen mag, arbeitet er schon seit einer Weile für den Gangsterboss „Doc“, um seine Schulden bei ihm abzuarbeiten. Für Baby steht dabei längst fest: Sobald das erledigt ist, hängt er den Job als Fluchtwagenfahrer endgültig an den Nagel und brennt mit seiner neuen Freundin durch. Doch da hat er vermutlich die Rechnung ohne seinen Arbeitgeber gemacht…

Kritik:
Kevin Spacey, Jon Bernthal, Jamie Foxx – mit diesen Namen ist es Regisseur Edgar Wright mit Sicherheit gelungen, richtig bekannte Größen aus Hollywood zu engagieren. Und doch hat er sich entschieden, die Hauptrolle dieses außergewöhnlichen Actionstreifens an einen etwas unbekannteren Schauspieler zu vergeben. Aus Gründen.

Neuling mit Babyface
Die Filmografie von Ansel Elgort gehört definitiv noch nicht zu den längsten im Business und die meisten Zuschauer dürften seinen Namen vermutlich zum ersten Mal hören. Trotzdem scheint er geradezu die Optimalbesetzung für „Baby Driver“ zu sein und wird dabei zugleich auch dem Namen seiner Rolle gerecht. Mit gerade einmal 23 Jahren ist er nicht nur ein vergleichsweise junger Darsteller, sondern hat zugleich auch noch das passende Babyface, um den unschuldigen Anfänger im Gangsterbusiness perfekt zu spielen. Und das macht ihn zugleich sympathisch, wirkt sein Erscheinungsbild neben Kevin Spacey und Jamie Foxx doch erfrischend unverbraucht. Elgort ist einer dieser Schauspieler, die wir nicht auf Grund seiner zahlreichen Rollen einer bestimmten Filmfigur zuordnen, sondern dem wir jederzeit abkaufen, ein völlig neutraler Fluchtwagenfahrer zu sein. Und auch hinsichtlich seiner schauspielerischen Leistung braucht er sich vor den großen Namen sicherlich nicht zu verstecken.

Einfach mal die Klappe halten
Trotzdem gibt es aber vor allem ein besonderes Stilmittel, das Ansel Elgort noch ein klein wenig von seinen Schauspielkollegen abhebt und welches „Baby Driver“ zu einem irgendwie außergewöhnlichen Film macht. Immerhin haben wir Verfolgungsjagden und aufregende Drifts schon desöfteren in den verschiedensten Actionfilmen gesehen. Was allerdings so bisher noch nicht vorgekommen ist, ist ein Hauptdarsteller der fast die gesamte Laufzeit über einfach mal die Klappe hält. „Baby“ spricht nämlich nur dann, wenn es unbedingt nötig ist und hält sich mit seinen Äußerungen sogar zurück, wenn er doch einmal den Mund aufmacht. Das verleiht dem Jungdarsteller mit dem Babyface aber zugleich auch einen undurchschaubaren und unnahbaren Charakter, der irgendwie mysteriös in Erscheinung tritt. Darüber hinaus ist das aber auf eine entspannende Art unterhaltsam, denn nach all den Klischees in einem Großteil der anderen Gangsterfilme ist Elgort damit auch einer der wenigen Darsteller, die nicht stundenlangen Unsinn erzählen und damit dem Zuschauer auf den Wecker fallen.

Ballern im Rhythmus
Stattdessen hört „Baby“ übrigens lieber Musik, statt dem Gerede seiner Komplizen zuzuhören. Und das verschafft „Baby Driver“ auch gleich den nächsten großen Unterhaltungswert, denn während wir die spannenden Raubüberfälle, Verfolgungsjagden und Schießereien erleben – von denen es wirklich reichlich in diesem Film zu sehen gibt – verzichtet der Streifen ebenfalls auf dämliche Kommentare und lässt die Hauptfigur lieber in seine Musik aus dem iPod versinken. Spätestens, wenn die Gewehrschüsse dann im Rhythmus des Basses fallen und sich die Geschwindigkeit des Fahrzeugs der Melodie der Musik anpasst, entwickelt sich „Baby Driver“ zu einem der wohl lockersten Actionstreifen der letzten Jahre. Damit liefert Edgar Wright auch nicht gerade einen Film mit schwerem Stoff ab, den man allzu bitter ernst nehmen sollte, sondern in erster Linie hervorragend funktionierendes Popcorn-Kino, das ganz bewusst einfach nur Spaß machen will – und kann.

Bereicherung durch Stars
Dass „Baby Driver“ dann obendrein auch noch mit namhaften Stars wie Kevin Spacey daher kommt, ist hinsichtlich der Qualität eigentlich nur noch das i-Tüpfelchen. Wirklich notwendig wäre das sicherlich nicht gewesen, könnte Ansel Elgort den Film vermutlich locker auch alleine tragen. Schaden kann es dem Streifen aber auch nicht, denn Kevin Spacey ist – trotz aller Skandale in den letzten Monaten – immer noch auf beeindruckende Weise in der Lage, den Bösewicht und Gangsterboss zu spielen. Einen, dessen Charakter nicht nur einseitig schwarz-weiß daher kommt, sondern auch eine ungeahnt weiche Seite innehält. Neben ihm überzeugt darüber hinaus außerdem vor allem Jamie Foxx, als aggressive wandelnde Zeitbombe, die gerne einmal mit der Waffe fuchtelt, während Jon „Punsiher“ Bernthal leider nur eine kleine unbedeutende Nebenrolle ergattern konnte. Alles in allem ist „Baby Driver“ aber ein abgerundetes Stück Unterhaltungskino.

Fazit:
Einfach mal die Klappe halten: „Baby Driver“ punktet mit einem Hauptdarsteller, der lieber seiner Musik lauscht, statt große Reden zu schwingen und liefert dadurch erfrischend innovatives Unterhaltungskino mit hohem Tempo ab.

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