Auge um Auge - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Auge um Auge

    Auge um Auge


    Land/Jahr:
    USA 2013
    Genre:
    Thriller
    Regie:
    Scott Cooper
    Darsteller:
    Christian Bale
    Casey Affleck
    Forest Whitaker
    Zoe Saldana
    Woody Harrelson
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Dauer:
    112 Minuten
    Kaufstart:
    11. September 2014
    Label:
    Tobis

    Russell stammt aus einer einfachen Arbeiterfamilie. Das Geld ist stets knapp und die Probleme dafür umso größer. Seinen Lebensunterhalt verdient er schließlich unter Schwerstarbeit im örtlichen Stahlwerk, während es seinen Bruder längst als Soldat in den Irak zieht. Nachdem Russell allerdings eine Haftstrafe wegen Trunkenheit am Steuer mit Todesfolge absitzen durfte, hat sich sein Leben grundlegend verändert. Die einstige Freundin ist schwanger von einem Polizisten und der Bruder schlägt sich nach seinem Kriegseinsatz lieber mit Straßenkämpfen, denn mit ehrlicher Arbeit herum. Da dauert es auch nicht lange, bis dieser ausgerechnet an die falschen Leute gerät und sein Leben radikal in Gefahr bringt. Schon bald hat Russell nur noch Rachegelüste im Sinn…

    Kritik:
    Dass ein hochwertiges Drama mit einem echten Staraufgebot daher kommt, ist nicht gerade selten. Nicht ganz so häufig kommt es dann allerdings vor, dass ebenso hochkarätige Stars auch auf den Produzentenstühlen sitzen. Denn während Christian Bale, Woody Harrelson, Forest Whitaker und Zoe Saldana sich vor der Kamera die Hände reichen, sitzen Leonardo Di Caprio und Ridley Scott gleichermaßen auf den Plätzen der Produzenten. Daraus kann eigentlich nur noch ein guter Film entstehen – und der überzeugt durch einen heute etwas ungewöhnlichen Stil.

    Back to the roots
    Die meisten echten Filmfans vermissen heute den großen Charme der 80er Jahre Dramen, in denen die amerikanischen Kleinstädte noch richtig düster und dreckig aussahen und die Umgangsformen noch ein wenig rauer waren. Momentan setzen die meisten Filmregisseure schließlich alles daran, ihre Streifen möglichst auf Hochglanz zu polieren und ihnen mit schnellen Schnitten und aufwändigen Effekten zu einem optischen Augenschmaus zu verhelfen. Doch „Auge um Auge“ geht ganz andere Wege. Hier verzichtet man auf große Effekte und hübsche Vorstädte. Die Kleinstadt, in der Christian Bale seine Hauptrolle darstellen kann, läuft förmlich über vor Müll. Ein kleines Industriegebiet, dreckige und Straßen, grobe Tonfälle und schmutzige Arbeit – das steht hier an, während sich das Drama lieber auf seine Charaktere konzentrieren, statt es mit der Action ein allzu sehr zu übertreiben.

    Die guten Seiten der Klischees
    So richtig eilig hat es „Auge um Auge“ schließlich nicht. Man lässt sich Zeit, den Zuschauer in die Figuren einzuführen und zeigt sich gerne von der ruhigen und lockeren Seite, wenn die Hauptdarsteller ihre verruchten Dialoge der Öffentlichkeit präsentieren. Dabei bedient man sich natürlich gerne den typischen Klischees. Schwer anmutende Rockmusik im Stil von Metallicas „Nothing Else Matters“ klimpert da im Hintergrund, wenn die Arbeiterklasse sich in Baumfällerhemden auf den Weg ins Stahlwerk macht und sich im ungepflegten Look auch gerne einmal am nächsten alkoholischen Getränk bedient. Da man es allerdings schafft, es dabei mit Klischees nicht zu sehr zu übertreiben und diesen unnahbar groben Stil konsequent beizubehalten, findet man hier schnell eine solide Atmosphäre, die sich auch perfekt in die Kulissen und die Handlung einfügt. Besonders gelungen ist allerdings, vor allem diese schweren Jungs auch von ihrer positiven und netten Seite zu zeigen. Mit Vorurteilen wird da schnell aufgeräumt, wenn Christian Bale trotz Mitglied der Arbeiterschicht eben auch das Herz am rechten Fleck hat.

    Vom Brutalo bis zum Weichei
    Auf schauspielerischer Seite überzeugt dabei natürlich vor allem Christian Bale, der damit in der Hauptrolle auch die Optimalbesetzung darstellt. Vom herzergreifenden Freund und liebenden Sohn, über den frustrierten Arbeitnehmer, bis hin zum skrupellosen und konsequenten Rächer steht ihm jede Entwicklung recht gut, die er in „Auge um Auge“ durchmachen muss. Er spielt keinen Schwarzweiß-Charakter, sondern einen Draufgänger mit vielseitigen Eigenschaften. Sein Gegenspier: Woody Harrelson, den wir wohl noch nie so überaus gefährlich und angsteinflößend gesehen haben. Bereits optisch erkennt man ihm die Gefahr förmlich an, entsprechend hart ist seine Darstellung. Daneben fügt sich die hübsche Zoe Saldana als Ex-Freundin von Russell verdammt gut ein und liefert in ihrer kleinen, aber dennoch feinen Rolle eine solide Leistung, die nicht nur als Hingucker dient. Lediglich Forest Whitaker kann mit seiner gewohnt weichen Seite in der Rolle des Polizisten nicht ganz überzeugen – spätestens beim Aufeinandertreffen mit Russell hätten wir da doch ein wenig mehr Emotionen und Eifersucht erwartet. Ein Cop, der völlig ohne Befangenheit dem Ex-Freund seiner eigenen Partnerin helfen kann, mag in die dreckige Stadt einfach nicht so ganz passen. Doch da mag auch schon der einzige Makel dieses herausragenden Streifens sein.

    Fazit:
    Nicht nur die Starbesetzung überzeugt, sondern auch der Stil: „Auge um Auge“ lehnt sich bewusst an die dreckigen 80er Jahre Thriller an und punktet mit angenehm langsamen Dialogen, Zeit für die Charaktere und einem verruchten Setting – um dann später in einem spannenden Showdown zu enden.